Full text: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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Sunlight Seifenfabrik G. m. b. H., 
Mannheim-Rheinau. 
Wenn auch ihr Stammhaus seinen Sitz in England hat, so ist doch die Sunlight Seifen 
fabrik G. m. b. H. in Mannheim-Rheinau eine selbständige deutsche Gesellschaft, an der 
deutsches Kapital beteiligt ist und die mit einzelnen Ausnahmen nur Deutsche in ihrer Ge 
schäftsleitung, ihrem kaufmännischen und technischen Betrieb beschäftigt. 
Gleichzeitig ist sie eine der 53 Tochtergesellschaften der Firma Lever Brothers Limited 
in Port Sunlight (England), die in allen Teilen der Welt Seifen-, Glyzerin-, Alkalifabriken, 
Ölplantagen und Ölmühlen, — für Herstellung ihres Eigenbedarfs auch Druckereien 
und Kistenfabrikation betreibt und eigene Werften und Ozeandampfer besitzt. 
Der Gründer des Stammhauses, Sir William H. Lever Bart., hat dadurch, daß er, der 
frühere kleine Kolonialwarengrossist, sein Weltunternehmen ins Leben rief und bis zu 
seiner gegenwärtigen Ausdehnung und Blüte emporführte, in unbestreitbarer Weise ge 
zeigt, daß er ein kaufmännisches Genie ist. Daß er daneben auch für seine Angestellten 
ein warmfühlendes Herz hat und in dem Wohlergehen und der Zufriedenheit des von ihm 
beschäftigten Heeres von Beamten und Arbeitern eine Hauptbedingung seines eigenen 
geschäftlichen Vorwärtsschreitens erblickt, das hat er durch die von ihm in Port Sunlight 
aus Geschäftsmitteln erbaute 
GARTENSTADT dargetan, in der die Errichtung und Unterhaltung der Kirche, Schule, 
eines im Freien angelegten öffentlichen Schwimmbades, eines Kunstmuseums, eines Kon 
zert- und Vortragsaales und alles das von der Firma bestritten wird, was das Leben an 
genehm und schön macht. Der Genuß der Gartenstadt konnte den zahlreichen Tochter 
gesellschaften bis heute noch nicht verschafft werden. 
SPEISEANSTALT. Was insbesondere die Sunlight Seifenfabrik betrifft, so dürfte als 
erste Wohlfahrtseinrichtung die Speiseanstalt angesehen werden. Diese ist in einem eigenen 
auf dem Fabrikgelände erbauten Haus untergebracht und enthält 2 große Speisesäle für 
männliche und weibliche Arbeiter, 2 geräumige Speisezimmer für kaufmännische und tech 
nische Beamte sowie Beamtinnen, 1 Speisezimmer für die Geschäftsleitung und ein Lese 
zimmer mit Erholungsraum. Zum Preise von 35 Pf. werden hier in der Mittagszeit 
einfache, aber sorgfältig zubereitete Vollmahlzeiten, zu deren Gestehungskosten von seiten 
der Firma eine sehr bedeutende Summe alljährlich zugeschossen wird, den Angestellten 
und Arbeitern verabreicht. Auch Frühstück und Vesper sind hier erhältlich. 
WANNEN- UND BRAUSEBÄDER. Ebenfalls dem leiblichen Wohl der Arbeiter dienen 
gutausgestattete Wannen- und Brausebäder, die den Arbeitern nach Schluß der Arbeit 
kostenlos zur Verfügung stehen. 
Wenn die vorgenannten Fürsorgemaßnahmen der Gesundheit und Behaglichkeit der 
Angestellten zugute kommen, so wurden die weiterhin kurz beschriebenen Einrichtungen 
aus der Erwägung heraus getroffen, daß das Lohnsystem auch in Verbindung mit der 
staatlichen sozialen Versicherung nicht ausreiche, um die Beamten und Arbeiter für be 
sondere Tüchtigkeit und Bemühungen usw. zu entlohnen und sie ferner gegen Entbehrungen 
oder sogar Not zu schützen, wenn Alter, Krankheit oder frühzeitige Erlahmung der Arbeits 
kraft sie nötigen, sich weiterer Erwerbstätigkeit zu enthalten. 
ANGESTELLTEN - ALTERSUNTERSTÜTZUNGSKASSE. Zuerst wurde zu diesem 
Zwecke die Angestellten-Altersunterstützungskasse ins Leben gerufen. Durch sie wird seit 
dem 1. Januar 1905 den männlichen und weiblichen Angestellten und Arbeitern der Firma, 
die ihr die besten Jahre ihres Lebens gewidmet haben, aus freien Stücken und ohne Bei 
tragsleistung von ihrer Seite in Form einer Jahresrente eine Fürsorge zuteil. Die Rente 
ist entweder Alters- oder Invalidenrente. Beide setzen eine wenigstens 20jährige Tätigkeit
	        
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