Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

38  Allgemeines  und  Spezielles  über  Entwicklung  und  Stand  der  Wohlfahrtspflege.
tagen  entspricht.  Diese  Getränke  werden  fast  zu  den  Selbstkosten  abgegeben,  etwaige  Überschüsse ­
  fließen  in  die  Unterstützungskasse.  —  Die  Firma  Schimmel  &Co.,  Miltitz  verabreicht ­
  frühmorgens  8  Uhr  den  Arbeitern  unentgeltlich  Kaffee  und  Milch,  gegen  die  Verpflichtung, ­
  bei  der  Arbeit  keinen  Branntwein  zn  trinken.
Gruppe  19  umfaßt  die  Beträge  für
PREISAUSSCHREIBEN  FÜR  WOHLFAHRTSPFLEGE  mit  122  650  M.  Innerhalb
des  dreißigjährigen  Zeitraumes  wurden  nur  in  fünf  Jahren  solche  Beträge  auf  gefunden.
In  Gruppe  20,
RETTUNGSWESEN,  FEUERSCHUTZ,  die  x  136590  M.  beträgt,  darunter  45  000  M.
für  1912,  sind  unter  anderen  auch  solche  ermittelten  Beträge,  die  für  Begründung,  Errichtung ­
  und  Ausbau  von  Fabrikfeuerwehren  Verwendung  fanden,  berücksichtigt
worden.  Neben  ihrem  eigentlichen  Zweck  verfolgen  die  Fabrikfeuerwehren  auch  gesellige,
turnerische  und  musikalische  Ziele.  —  Die  Fabrikfeuerwehr  des  Eisenhütten-  und
Emaillierwerks  (W.  von  Krause)  in  Neusalz  a.  O.  ist  gleichzeitig  auch  der  Stadt
Neusalz  zur  Verfügung  gestellt.  —  Eine  der  ältesten,  bestausgestatteten  Fabrikfeuerwehren,
im  Jahre  1865  begründet,  besitzt  die  Firma  C.  A.  Preibisch  in  Reichenau.
Für
FÖRDERUNG  DES  SPARSINNES  wurden  in  Gruppe  21  1282581  M.  ermittelt.
Es  sind  hier  meist  nur  die  Ausgaben  für  Anregung  zum  Sparen  zusammengefaßt.
Die  eigentlichen  Beiträge  an  Zinszuschüssen,  Prämien  und  an  direkten  Zuwendungen
zu  den  Arbeitersparkassen  kommen  selten  ziffernmäßig  zur  Erscheinung,  sie  würden  unzweifelhaft ­
  einen  sehr  hohen  Betrag  ausmachen.  Es  ist  auch  zu  berücksichtigen,  daß  in
den  Gruppen  1,  2,  3  erhebliche  Summen  zur  Förderung  des  Sparsinnes  der  Arbeiter  enthalten ­
  sind.  Die  in  Gruppe  2  berücksichtigte  Gewinnbeteiligung  der  Arbeitnehmer  läuft
namentlich  oft  auf  ein  besonders  durchdachtes  Sparsystem  hinaus.  Es  wurde  schon  hingewiesen ­
  auf  die  Sparkasse  der  Schultheiß’  Brauerei  zu  Berlin,  die  einen  solchen
Zweck  verfolgt.  Es  dürfen  in  diese  im  Laufe  eines  Jahres  höchstens  1000  M.  bis  zum  Höchstbetrage ­
  von  5000  M.  eingezahlt  werden.  Diese  Einlagen  werden  zunächst  mit  4  %  von
der  Direktion  verzinst.  Der  Zinsfuß  wird  aber  am  Jahresschluß  noch  um  so  viel  Prozente
erhöht,  um  welche  die  den  Aktionären  gewährte  Jahresdividende  den  Satz  von  4%  übersteigt. ­
  Es  kommt  hierbei  meistens  eine  Verzinsung  der  Einzahlungen  von  8—12  %  heraus.  —
Die  Continental  -  Gasgesellschaft  zu  Dessau  verzinst  alle  Spareinlagen  ihrer  Werksangehörigen ­
  mit  7  %.  —  Friedr.  Dick,  Werkzeug-  und  Feilenfabrik,  Eßlingen  a.  N.,
gewährt  für  Einlagen  bis  zu  500  M.  6  %.  —  Bei  Fritz  Wolf,  Malzfabrik,  Erfurt,  nimmt
die  Fabriksparkasse  Einlagen  von  1  M.  aufwärts  an  und  verzinst  dieselben  einschl.  der  Sparprämie ­
  mit  8—10  %.  —  Größere  und  regelmäßige  Prämien  für  Spareinlagen  werden  den
Mitgliedern  des  Werkvereins  der  Firma  Adolf  Bleichert  &  Co.  in  Leipzig-Gohlis,
dem  über  zwei  Drittel  der  Arbeiter  angehören,  gezahlt.  —  Die  Farbenfabriken  vorm.
Friedr.  Bayer  &  Co.  in  Leverkusen  suchen  das  Ziel  ihrer  Wohlfahrtspflege  vornehmlich ­
  in  der  Förderung  des  Sparsinnes.  Sie  haben  neuerdings  auch  eine  Alterssparkasse
gegründet,  die  es  dem  Arbeiter  ermöglichen  soll,  im  Laufe  der  Zeit  mit  verhältnismäßig
geringen  Wochenbeiträgen  ein  Kapital  auzusammeln.  Während  die  Alterssparkasse  auf
dem  Prinzip  der  Freiwilligkeit  beruht,  ist  man  bei  der  Spareinrichtung  für  jüngere
Arbeiter,  die  also  meistens  nur  für  sich  selbst  zu  sorgen  haben,  zu  dem  Beitragszwang
übergegangen.  In  erster  Linie  sollen  die  Ersparnisse  später  bei  der  Eheschließung  zur  Beschaffung ­
  der  Aussteuer  dienen.
Die  Firma  hat  außerdem  eine  Arbeitersparkasse,  deren  Mitgliederzahl  seit  Einführung ­
  der  Alterssparkasse  von  3988  im  Jahre  1910  auf  3762  im  Jahre  1911  zurückgegangen ­
  ist.  Es  wurden  aber  von  den  Rückzahlungen  aus  dieser  Kasse  35  620  M.  der
Alterssparkasse  überwiesen.  Die  Zahl  der  Sparer  der  Alterssparkasse  betrug  zu  Anfang
532,  belief  sich  aber  schon  am  Jahresschluß  1911  auf  2081.  Die  Zahl  der  Zwangsparer  der
            
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