Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Carl  Zeiß,  Jena,  Optische  und  mechanische  Werke.  441*
3  Tage  Urlaub  mit  Lohn  gewährt,  oder,  falls  gearbeitet  wird,  der  Lohn  extra  bezahlt.  Zum
25jährigen  Dienstjubiläum  erhält  der  Jubilar  xoo  M.  in  bar  und  einen  freien  bezahlten ­
  Tag.  Es  feierten  in  den  letzten  Jahren  regelmäßig  20—25  Personen  dieses  Jubiläum. ­

JUGENDPFLEGE.  Die  Fortbildungs-  und  Gewerbeschulen  werden  finanziell  unterstützt.
Durch  den  Fußballklub  Carl  Zeiß  (6  Spielmannschaften,  ca.  250  aktive  und  passive
Mitglieder)  und  einen  Jugendverein  wird  versucht,  auf  die  Jugendlichen  auch  außerhalb ­
  des  Dienstes  fördernd  zu  wirken.  Seit  1907  machen  die  Mitglieder  des  Jugendvereins
unter  Leitung  älterer  Herren  jeden  Sommer  eine  3—4tägige  Wanderung  durch  den
Thüringer  Wald,  das  Rhöngebirge,  Fichtelgebirge,  die  Sächsische  Schweiz  usw.,  wozu
die  Firma  etwa  die  Hälfte  der  Kosten  beisteuert.
GESANGVEREIN.  FREIWILLIGE  FEUERWEHR.  DARLEHNSGENOSSENSCHAFT.
BAUGENOSSENSCHAFT.  Der  Zeißsche  Gesangverein,  die  eigene  freiwillige  Feuerwehr,
die  Darlehnsgenossenschaft  sind  seit  langem  bestehende  Gründungen,  die  von  dem  Zusammenhalten ­
  der  Zeißianer  zeugen.  Zahlreiche  Zeißianer  sind  Mitglieder  der  Jenaer
Baugenossenschaft,  die  bis  zum  Oktober  1912  212  Wohnungen  hergestellt  hatte  und  von
der  Firma  durch  Gewährung  zweiter  Hypotheken  zu  niedrigem  Zinsfuß  unterstützt  wird.
Jeder  Mieter  kann  einen  Garten  haben.
Das  letzte  große  Werk,  das  Prof.  Abbe  noch  erstehen  sah,  ist  das  von  der  Carl  Zeiß-Stiftung
  mit  einem  Aufwand  von  ca.  1  %  Million  erbaute
VOLKSHAUS,  in  welchem  sich  die  öffentliche  Lesehalle  mit  Bibliothek,  das  literarische
Museum,  ein  Museum  für  populäre  und  technische  Physik,  die  Großh.  Gewerbeschule,
ein  großer  Saal  für  Versammlungen,  Konzerte  und  Feste,  der  ca.  1500—1600  Personen
aufnehmen  kann,  ein  kleiner  Vortragssaal  für  2—300  Personen,  eine  Kunstausstellung,
ein  Musikzimmer  u.  a.  befinden.  In  den  behaglichen  Räumen  der  Lesehalle  sind  unter
den  ausliegenden  Zeitungen  und  Zeitschriften  alle  politischen  Richtungen  vertreten,  wie
auch  die  übrigen  Räume,  besonders  die  Säle,  jeder  Partei  und  Interessengruppe  gegen
mäßige  Bezahlung  zur  Verfügung  stehen.  Zahlreich  sind  die  Veranstaltungen,  die  der
Kunst  und  Wissenschaft  und  dem  öffentlichen  Leben  gewidmet  sind.  Man  darf  wohl
mit  Recht  behaupten,  daß  das  geistige  Leben  Jenas  durch  das  Volkshaus  eine  für  alle
Bevölkerungsschichten  wohltätig  wirkende  Pflegestätte  gefunden  hat.
            
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