leichter als zu Buchhandlungen ohne solche. Die Besucher der
Lesehalle können hier die neuen Bücher in Ruhe durchsehen und
sich hier über die große Zahl der Neuerscheinungen viel gründ-
licher orientieren als durch Kataloge und Ansichtssendungen.
Letztere können ja doch immer nur einen beschränkten Umfang
haben. Die Besucher der Lesehalle kommen mit dem Buchhänd-
ler in persönlichen Kontakt und fühlen sich ihm verpflichtet.
Der Wunsch, ein bestimmtes Buch zu besitzen, wird infolge der
Möglichkeit, eine Menge Bücher einzusehen, offenbar mächtig ge-
fördert. Überhaupt muß (abgesehen von dem Für und Wider des
Leihbibliothekwesens) psychologisch betrachtet alles, was das
Publikum mit dem Buch in Fühlung bringt, kauffördernd wir-
ken. Der Buchhändler sollte daher Buchausstellungen, wie sie
von der Deutschen Bücherei in Leipzig und anderen Bibliotheken
veranstaltet werden, dankbar begrüßen und unterstützen. Ende
1925 hat die Mainzer Stadtbibliothek (Direktor: Dr. Ruppel) alle
Bücher ausgestellt, welche die gerade allgemein interessierenden,
akutesten wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Zeit-
fragen behandelten und dem Publikum Einsicht in diese Bücher
gestattet. Die Verleger und Sortimenter sollten dahin wirken,
daß solche und ähnliche Ausstellungen allgemeiner werden und
daß ihr Besuch als zum guten Tone gehörig erachtet wird.
Nicht nur zum einfachen Lesen und nicht nur wegen des Be-
sitzes als solchen werden Bücher gekauft. Viele Schriften sind zum
einfachen Durchlesen gar nicht geeignet und auch gar nicht dazu
bestimmt. Hierher gehören die Schul- und Lehrbücher. Wer ein
Lehrbuch benützt, will sich in der Regel seinen Inhalt aneignen.
Ob es sich dabei um eine rein mechanisch-gedächtnismäßige An-
eignung oder um eine Aneignung des Inhalts in höherem Sinne
handelt, ist nebensächlich. Die Schulbücher sind meist Lehr-
bücher, aber teilweise (wie Schulatlanten, Logarithmentafeln
u. a.) auch anderer Natur. Alle Schulbücher aber werden zum
Gebrauch in der Schule oder für die Schule angeschafft.
89