ÜMH
12* Alexanderwerk A. von der Nahmer, Akt.-Ges., Remscheid.
zu sein. Die Prämien für die durch Vermittlung der Verwaltungsstelle abgeschlossenen
Versicherungen werden bei den jeweiligen Löhnungen in Abzug gebracht und bei Not
lagen zwecks Aufrechterhaltung der Versicherung von der Firma in Form von Vorschüssen
vorgestreckt oder von der Wohlfahrtskasse bezahlt. Auch sind Arbeitern, welche zugunsten
bzw. zur Sicherstellung der Firma eine Versicherung abschlossen, Darlehen zum Bau eines
eigenen Hauses zu mäßigem Zinsfuß zur Verfügung gestellt worden. Bis zum 31. Dezember
1912 hat die Verwaltungsstelle 56 Versicherungen mit einer Gesamtversicherungssumme
von 120 870 M. abgeschlossen, deren Gesamtjahresprämie sich auf 5066,32 M. beläuft.
MÄDCHENHEIM. Da es der Betriebsleitung nicht gelang, die jeweils erforderliche
Anzahl von weiblichen Arbeitskräften in Remscheid oder dessen näherer Umgebung zu
beschaffen, so war sie genötigt, auswärtige Arbeiterinnen — wenn auch in beschränkter
Anzahl — heranzuziehen. Um diesen Arbeiterinnen Gelegenheit zu billigem Unterkommen
und preiswerter, guter Beköstigung zu geben und sie den großen Mißständen zu entziehen,
die das Schlafstellenwesen mit sich bringt, wurde von der Firma im August 1908 ein Mäd
chenheim eröffnet. Das Heim, das Unterkunft für 21 Arbeiterinnen bietet, war in den letzten
Jahren ständig besetzt. Für Kost und Logis sind täglich 85 Pf. zu entrichten; die ent
sprechenden Beträge werden jeweils bei den I4tägigen Löhnungen in Abzug gebracht. Für
die Aufrechterhaltung von Ordnung und Sitte im Heim ist eine Hausordnung erlassen,
für deren gewissenhafte Handhabung der Verwalter und dessen Ehefrau verantwortlich sind.
MILCHAUSSCHANK. Zwecks Einschränkung des Alkoholgenusses während der Ar
beitszeit und zur Förderung des Gesundheitszustandes der Arbeiter hat die Firma zu Be
ginn des Jahres 1908 den Ausschank von Vollmilch in eigens dazu errichteten Schank
häuschen aufgenommen. Durch vertragliche Vereinbarung mit einem benachbarten Guts
besitzer ist dessen gesamte Milchproduktion von etwa 80-100 Liter täglich übernommen
worden. Der Kuhbestand des Lieferanten ist einer regelmäßigen Kontrolle durch den
Kreistierarzt unterworfen, der laut Abkommen sein Augenmerk noch besonders darauf
zu richten hat, daß den modernen Anforderungen in hygienischer Beziehung (Fütterung
und Pflege, Sauberkeit des Stalles und der Milchgewinnung, Aufbewahrung und Kühlung
der Milch) Genüge geleistet wird. Auch sonst hat die Firma alle Vorkehrungen getroffen,
die es ermöglichen, ihren Arbeitern eine in jeder Beziehung einwandfreie, stets frische
und wohlschmeckende Vollmilch zu liefern.
Die Milch wird während der Zeit von 8 y z —10 y 2 Uhr vormittags, von 12—1 Uhr
mittags und von 3%—5 Uhr nachmittags, warm oder kalt zum Preise von 5 Pf. für y 4 ,
10 Pf. für ein halbes und 20 Pf. für ein ganzes Liter verabfolgt. — Der Umsatz betrug:
1908: 29249, 1909: 24996, 1910: 25679, 1911: 23725 und 1912: 29920 Liter.
KONSUMABTEILUNG. Durch die Konsumabteilung, die seit dem Jahre 1895 be
steht, werden hauptsächlich Kolonialwaren aller Art in größeren Posten bezogen und
zu den Selbstkosten an Angestellte und Arbeiter abgegeben. Der Umsatz betrug 1909:
33258,09, 1910: 33420,69, 1911: 32388,87 und 1912: 35801,30 M. Zur Milderung der
in den letzten Jahren herrschenden Fleischteuerung wurde der Verkauf frischer See
fische (hauptsächlich Schellfisch und Kabeliau) unter den Selbstkosten aufgenommen.
Im Jahre 1911/12 wurden davon für 4148,40 M. bezogen.
Seit 1893 gibt die Firma Brennmaterialien zu den Selbstkosten an Angestellte
und Arbeiter ab. Der Gesamtumsatz betrug 1907/08 : 18277,63, 1908/09: 19994,02, 1909/10:
19394,12, 1910/11: 22185,58 und 1911/12: 22529,57 M.
UNFALL-VERSICHERUNG. Sämtliche kaufmännischen und technischen Beamten
sind auf Kosten der Firma außer bei der Berufsgenossenschaft auch bei einer privaten Ver
sicherungsgesellschaft gegen Unfälle in- und außerhalb des Betriebes versichert.
Ferner erhalten dieselben jährlich 8 -14 Tage Urlaub.
Für den aus Arbeitern und Beamten bestehenden Werks-Gesangverein, welcher
über 100 aktive und viele passive Mitglieder zählt, stellt die Firma den Dirigenten und die
Noten. — Dasselbe gilt für die aus 28 Musikern bestehende Feuerwerks-Kapelle.