Full text : Weltporto-Reform

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auch  noch  besteht.  Nach  dem  Weltpostvertrage  (Artikel  12,3)
dürfen  zwar  ausser  dem  vereinbarten  internationalen  Porto  des
Weltpostvereins  keine  andern  Porto-Gebühren  vom  Empfänger
oder  Absender  erhoben  werden,  also  aucli  kein  Bestellgeld.  Doch
in  Sonderpostvereinen  ist  letzteres  natürlich  zulässig,  wenn  nichts
dem  entgegenstehendes  vereinbart  wird.
In  Russland  werden  Briefe  an  Landbewohner  in  Orten
ohne  Postanstalten  von  der  Reichspost  nicht  bestellt,  sondern
die  Landschaftsämter  (Semstwos),  die  eigne  Landposten  haben
(über  1000),  übernehmen  die  Briefe  zur  Bestellung  gegen  eine
vom  Empfänger  zu  zahlende  Gebühr  von  2  —  5  Kopeken  (4,3
bis  10,8  Pf-) 1 )-  In  den  Vereinigten  Staaten  waren  1905  von
68  131  Postanstalten  nur  1144  (solche  in  Städten  mit  mehr  als
10  000  Einwohnern  oder  mehr  als  10  000  Dollar  Posteinnahmen),
welche  eine  Ortsbestelleinrichtung  besassen 1  2 ),  so  dass  also  im
übrigen  die  eingehenden  Briefe  von  der  Post  —  mit  Kosten  oder
Zeitverlusten  —  abgeholt  werden  müssen.  In  Canada  besteht
ebenso  nur  in  grossen  Orten  eine  gebührenfreie  Briefbestellung,
sonst  aber  ein  Bestelldienst  durch  besondere  Boten  gegen  eine
besondere  Gebühr,  die  nicht  über  2  Cents  (8,4  Pf.)  hinausgehen
darf.  Und  ähnlich  ist  es  in  manchen  andern  Ländern.
Somit  können  wir  also  mit  Recht  behaupten,  dass  der
chinesische  Weltpostverein  ganz  China  mitumfasst  und
das  billige  chinesische  Reichs-Porto  für  Briefe  (4  Pf.),  die  etwa
von  den  Orten  mit  Auslandspostämtern  neu  frankiert  noch  nach
andern  chinesischen  Orten  ohne  ausländische  Postanstalt
weiter  gehen,  bloss  als  Bestellgeld  erscheint,  ebenso  wie
das  in  den  erwähnten  andern  Ländern.  Die  Hauptsache  ist
immer,  dass  das  chinesische  Reich  und  seine  für  den  Weltverkehr ­
  wichtigsten  Städte  mittels  des  billigen  Inlandsportos
der  vielen  angeschlossenen  Länder  des  gelben  Sonderpostvereins
erreicht  werden  können.  Das  ist  ein  grosser  Sieg  des  Weltpennyportogedankens. ­
  Bloss  die  A^erschiedenheit  der  zur
Briefaufgabe  zu  benutzenden  fremden  Postämter  in  China  und
die  kleinen  Portounterschiede  und  verschiedenen  Marken  sind
1 )  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1900,  S.  101;  „Das  Landpostwesen ­
  Russlands“,  und  Sieblist,  „Die  Post  im  Auslande“  1900,  S.  2;>5.
2 )  Vgl.  „Archiv  für  Post  und  Telegraphie“  1906,  S.  323  f.
            
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