Full text : Weltporto-Reform

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noch  ein  Mangel.  Aber  wir  haben  in  Europa  vor  noch  gar
nicht  so  langer  Zelt  manches  Ähnliche  erlebt.
Der  Hauptplatz  des  chinesischen  AVelthandels,  Shanghai,
am  Wusungfluss,  etwas  landeinwärts  vor  der  Jangtsemündung,
schön  gelegen,  mit  seinen  651  000  Einwohnern,  nicht  viel  kleiner
als  Hamburg  (803  000  Einwohner),  grösser  als  Amsterdam
(566  000  Einwohner),  Rotterdam  (404  000),  oder  Marseille  (517  000),
doppelt  so  gross  wie  Antwerpen  (310  000),  oder  Edinburg
(316  000),  weist  sieben  Postämter  von  sieben  verschiedenen
Ländern  auf.  Zwei  Minuten  von  der  breiten  Strasse  am  einmündenden ­
  AVangpoofluss,  auf  dem  „Bund“  mit  den  Dampferanlageplätzen,
  an  der  Ecke  der  Eutschau-  und  Szechuan-Road,  mitten
im  Geschäftsviertel  der  modern  anmutenden  Stadt,  erhebt  sich
der  getürmte  stattliche  Neubau  (1905)  des  deutschen  Postamts
mit  der  Kaiserlich  Deutschen  Postdirektion  für  die  26  deutschen
Postanstalten  in  Ostasien.  Der  helle  Schalterraum  bietet  100  Personen ­
  Platz. 3 )  Eür  10  Pf.  schickt  man  von  hier  einen  Brief,  für
5  Pf.  eine  Postkarte  nach  Deutschland  und  allen  seinen  Kolonien,
und  für  3  Pf.  eine  Drucksache,  trotz  der  endlosen  Entfernung.
AVill  man  nach  britischen  Ländern  schreiben,  so  kostet  es
vom  unweit  gelegenen  British  Post-Office  —  einem  bescheideneren ­
  Gebäude  mit  offenen  Schaltern  an  der  Strasse  —  nur
1  Penny  (8Va  Pf.)  für  jede  Unze  (28,34  g),  und  nach  französischen ­
  Besitzungen  vom  französischen  Postamt,  einem  neuen
schönen  Hause  im  French  Settlement  bloss  10  Centimes  (8,1  Pf.)
Das  russische  Postamt  für  den  Verkehr  nach  Russland  liegt
im  American  Settlement,  ist  aber  wegen  massigen  Verkehrs  nur
an  bestimmten  Stunden  offen.  Das  japanische  ist  nicht  weit
davon,  und  hier  ist  das  Porto  nach  Japan  oder  Korea  und
Formosa  noch  billiger:  nur  6,3  Pf.  oder  3  Sen.  Im  Gebäude
des  Konsulats  der  Vereinigten  Staaten  liegt  das  amerikanische
Postamt,  und  2  Cents  (8,4  Pf.)  genügen,  um  die  Briefe  über
den  stillen  Ozean  nach  Nordamerika  zu  befördern.  Ganz  nahe
dem  deutschen  liegt  aber  an  der  Museum-,  Szechuan-  und
Peking-Road  der  neue  stattliche  Feinziegelbau  des  Kaiserlich

8 )  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1905,  S.  361.
            
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