66
chinesischen Postamts 4 * ) — chinesisch: „Sin-kwe-su-sin-kwe“
— drei Stockwerke hoch, mit einer grossen Halle und 120 Meter
langen Schalterräumen zu ebener Erde, die einzelnen Abteilun
gen durch Goldbuchstaben gekennzeichnet. Hier kostet ein
Brief nach den inländischen Orten des weiten Reiches nur 4 Pf.
(2 Cents ostasiatisch).
Freilich ist das Schreiben mit dem Tuschepinsei nicht
jedermanns Sache und die Briefetikette des überhöflichen
Volkes äusserst vielgestaltig. Format des Papiers, Farbe der
Briefumschläge, alles hat für den jeweiligen Fall seine Bedeu
tung, und ein fürstlicher Briefschreiber lässt den Briefentwurf
oft erst die Zensur von vier Gelehrten passieren, die auch ge
meinen Leuten bei der Korrespondenz behilflich sind 6 ). Die
Visitenkarte darf nicht fehlen, da der Karne nicht unterschrieben
zu werden pflegt.
Deutschland hat im Ganzen in China 14 Postämter —
ausser 7 im Kiautschougebiet — Frankreich 18, England 12,
Russland 10, Japan 50 (davon 30 in der Mandschurei), am
wenigsten aber Amerika, 1 Amt in Shanghai und einige Agen
turen an anderen Orten.
Kicht in allen grossen Orten sind zugleich so viele fremde
Postanstalten wie in Shanghai; in Hankau, Tschifu, Tientsin z. B.
nur je 5, in Peking, Amoy, Canton und Futschau nur je 4;
aber dem jeweiligen Weltverkehr genügt das sicherlich reichlich.
Da China noch zahllose Privatpostanstalten neben der
neuen Reichspost hat und das staatliche Postmonopol wohl an
gestrebt, aber noch nicht durchgeführt ist, so haben die fremden
Postämter auch keinen eigentlichen chinesischen Rechtsgrund
gegen sich, obwohl ihre Beseitigung, wie s. Z. in Japan, schon
gefordert wurde.
Wie ich schon andeutete, sind solche Postämter fremder
Staaten, wie sie besonders zahlreich in der Türkei, in Marocco
und China bestehen, übrigens gar keine ausschliessliche Eigen
tümlichkeit dieser Staaten. Wir haben auch hier bei uns
lange Zeit ähnliches gehabt, als die deutschen Länder
4 ) Vgl. „Deutsche Verkehrs-Zeitung“ 1904, S. 515 und „Archiv für
Post und Telegraphie“ 1908, S. 424.
8 ) Vgl. „Deutsche Verkehrs-Zeitung“ 1905, S. 226.