Full text: Weltporto-Reform

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chinesischen Postamts 4 * ) — chinesisch: „Sin-kwe-su-sin-kwe“ 
— drei Stockwerke hoch, mit einer grossen Halle und 120 Meter 
langen Schalterräumen zu ebener Erde, die einzelnen Abteilun 
gen durch Goldbuchstaben gekennzeichnet. Hier kostet ein 
Brief nach den inländischen Orten des weiten Reiches nur 4 Pf. 
(2 Cents ostasiatisch). 
Freilich ist das Schreiben mit dem Tuschepinsei nicht 
jedermanns Sache und die Briefetikette des überhöflichen 
Volkes äusserst vielgestaltig. Format des Papiers, Farbe der 
Briefumschläge, alles hat für den jeweiligen Fall seine Bedeu 
tung, und ein fürstlicher Briefschreiber lässt den Briefentwurf 
oft erst die Zensur von vier Gelehrten passieren, die auch ge 
meinen Leuten bei der Korrespondenz behilflich sind 6 ). Die 
Visitenkarte darf nicht fehlen, da der Karne nicht unterschrieben 
zu werden pflegt. 
Deutschland hat im Ganzen in China 14 Postämter — 
ausser 7 im Kiautschougebiet — Frankreich 18, England 12, 
Russland 10, Japan 50 (davon 30 in der Mandschurei), am 
wenigsten aber Amerika, 1 Amt in Shanghai und einige Agen 
turen an anderen Orten. 
Kicht in allen grossen Orten sind zugleich so viele fremde 
Postanstalten wie in Shanghai; in Hankau, Tschifu, Tientsin z. B. 
nur je 5, in Peking, Amoy, Canton und Futschau nur je 4; 
aber dem jeweiligen Weltverkehr genügt das sicherlich reichlich. 
Da China noch zahllose Privatpostanstalten neben der 
neuen Reichspost hat und das staatliche Postmonopol wohl an 
gestrebt, aber noch nicht durchgeführt ist, so haben die fremden 
Postämter auch keinen eigentlichen chinesischen Rechtsgrund 
gegen sich, obwohl ihre Beseitigung, wie s. Z. in Japan, schon 
gefordert wurde. 
Wie ich schon andeutete, sind solche Postämter fremder 
Staaten, wie sie besonders zahlreich in der Türkei, in Marocco 
und China bestehen, übrigens gar keine ausschliessliche Eigen 
tümlichkeit dieser Staaten. Wir haben auch hier bei uns 
lange Zeit ähnliches gehabt, als die deutschen Länder 
4 ) Vgl. „Deutsche Verkehrs-Zeitung“ 1904, S. 515 und „Archiv für 
Post und Telegraphie“ 1908, S. 424. 
8 ) Vgl. „Deutsche Verkehrs-Zeitung“ 1905, S. 226.
	        
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