Full text : Weltporto-Reform

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noch  unverbündete,  selbständige  und  ganz  souveräne
Staaten  waren.  Hamburg  ist  es  ähnlich  gegangen  wie
es  Shanghai  noch  jetzt  geht.  Noch  1846  gab  es  in  Hamburg ­
  neben  der  eigenen  Hamburgischen  Postverwaltung
acht  verschiedene  fremde  Postämter  anderer  Staaten:
nämlich  ein  preussisches,  ein  Thurn  und  Taxisches,  ein
hannoversches,  ein  braunschweigisches,  ein  mecklenburgisches,
ein  dänisches,'  ein  schwedisches  und  ein  amerikanisches  der
Vereinigten  Staaten. 0 )  Früher  waren  es  sogar  9.
Bremen 7 )  hatte  5,  Lübeck  2  fremde  Postämter  ausser  dem
eigenen.  Preussen  unterhielt  u.  a.  zeitweilig  auch  in  Polen
(Danzig),  und  Hannover  (Hildesheim)  eigne  Postämter.
Das  schwedische  Postamt  in  Hamburg  bestand  bis
1868,  das  dänische  Postamt  in  Lübeck  ging  am  1.  Januar
1868  ein,  das  Thurn  und  Taxissche  daselbst  schon  Ende  Juni
1867,  das  hannoversche  Ende  September  1845. 8 )
In  Hamburg  klagte  man,  dass  die  vielen  Posten  nicht  alle
in  einem  Gebäude  vereinigt  waren  und  dass  man  immer  erst
vorher  genau  wissen  müsse,  nach  welchen  Ländern  und  auf
welchen  Postkursen  die  verschiedenen  fremden  Postanstalten  die
Briefschaften  beförderten.  Denn  darin  bestand  Arbeitsteilung 9 ).
Wohl  hätte  auch  Hamburg  früher  am  liebsten  sein  Postmonopol
behauptet,  aper  es  wagte  nicht,  den  Wünschen  der  mächtigen
Nachbarn  Preussen  und  Dänemark  zu  trotzen. 10 )
Als  der  deutsch-österreichische  Postvorein  am  1.  Juli
1850  ins  Leben  trat,  da  waren  Hamburg,  Bremen  und
Lübeck  durch  ihre  preussischen  Postämter  natürlich
«)  Vgl.  Weithase,  „Geschichte  des  Weltpostvereins“  (2.  Auflage
Strassburg  1895),  S.  14  und  Stephan,  „Geschichte  der  preussischen  Post“
(1859),  S.  73  und  491  f.
7 )  Siehe  auch  den  Aufsatz  von  Weise,  „Das  bremische  Postwesen
bis  zur  Gründung  des  Norddeutschen  Bundes“  im  „Archiv  für  Post  und
Telegraphie“  (1907),  S.  481  —  498,  und  ebenda  S.  500—505  den  Artikel
„Schwedische  Postanstalten  in  Deutschland  zur  Zeit  des  30  jährigen  Krieges“
(in  Hamburg;  Leipzig  1631  —  1635  und  1612  —  1650).
8 )  Vgl.  Crole,  Geschichte  der  deutschen  Post  (Eisenach  1889),  S.  305.
9 )  Crole,  S.  306.
10 )  Heute  unterhält  England  u.  a.  auch  in  der  freien  Republik  Panama
noch  ein  eigenes  Postamt;  Frankreich  aber  in  Zanzibar  (vgl.  Sieblist,  Post
im  Auslande,  1900,  S.  47).
            
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