Full text: Weltporto-Reform

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rungs-, Bank- und Börsenwesen, die täglichen Kursnotizen vom 
Welt- und Geldmarkt, die ungeheuren Kapitalsanlagen in 
fremden Ländern und Werten, das internationale Patentwesen 
mit seinen jährlichen Gebühren, das internationale Inseraten- 
wesen der Weltpresse, das täglich auf den ganzen Erdball ge 
richtete Kapitals- und Handelsinteresse der Geschäftswelt wie 
des Publikums, alles das begegnet in dem lästigen Wirrwarr 
der vielen Mass-, Gewichts- und Münzsysteme und Währungen 
einer mit der modernen Zeit der Ozeanschnelldampfer, der 
Kontinente durchquerenden Eisenbahnen, der Luftschiffe, der 
Kabel- und Punkentelegraphen gar nicht mehr zu vereinenden 
sinnlosen und unpraktischen Hemmung und zeitraubenden Un 
übersichtlichkeit. Der schnelle Verkehr hat alle Länder der 
Welt einander nahe gerückt; sie stehen sich zeitlich und ge 
schäftlich näher wie früher die Provinzen eines einzigen grösseren 
Staates. Uber 130 Milliarden Mark wurden schon 1907 in der 
Ein- und Ausfuhr des Welthandels der verschiedenen Länder 
umgesetzt. 
Der internationale Austausch von Wertbriefen belief sich 
1907 (nach der Berner Statistik) auf rund 3090 Millionen 
Pranken, der der Wertpakete auf 1010, der der internationalen 
Postanweisungen auf 1950, alle drei zusammen aber auf rund 
6050 Millionen Franken. Welche Mühe, wenn die Postbeamten 
erst umständlich die aufgegebenen Geldsendungen auf Grund 
ihrer Nachschlagebücher in eine andere Münze umrechnen müssen, 
während das Publikum am Schalter ungeduldig wartet! Und 
welche Wirkungen oft! Vor etwa vier Jahren sollte ein laufendes 
wichtiges deutsches Reichspatent seine Jahresgebühr bezahlen 
und diese ging dem Patentamt mittels einer Postanweisung aus . 
Österreich zu. Aber es ereignete sich, dass sich bei der Umrechnung 
und Auszahlung der Summe 1 Pf. zu wenig ergab. Das 
Patent, an das sich oft das Wohl und Wehe einer ganzen In 
dustriegründung knüpfen kann, ist deswegen vorzeitig verfallen. 
Der Fall ging durch viele Zeitungen. Eine gleiche internatio 
nale Münze hätte solchen Irrtümern vorgebeugt. 
Das Eisenbahnnetz der Erde belief sich 1907 schon auf 
957 283 km, ihr Anlagekapital auf 208 Milliarden Mark; der 
hin- und herflutende internationale Menschen- und Güterverkehr 
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