Full text: Weltporto-Reform

Das englische Parlamentsmitglied Henniker Heaton, ein 
unermüdlicher Postreformer, der auch mit den Ältesten der 
Berliner Kaufmannschaft konferierte, leitete inzwischen eine 
ähnliche Agitation in England ein. 
In einem längeren Artikel in der „Times“ trat er am 
10. Oktober 1905 besonders lebhaft für ein Welt-Penny-Porto 
aller Länder ein, nachdem er am 10. August 5 ) einen grossen 
englischen Verein zur Eörderung dieses Gedankens gegründet 
hatte, von vielen angesehenen und, berühmten Männern des 
Landes unterstützt. Auch in anderen Ländern wurde das 
Interesse für diese Sache geweckt. 
Im Februar 1906 erschien eine Denkschrift der Ältesten 
der Berliner Kaufmannschaft: „Zur Herabsetzung des Welt 
postportos“ (Berlin 1906, 22 Seiten), welche die Eingabe vom 
Sommer 1905 näher begründete. 6 ) 
Am 8. März 1906 trat der freisinnige Abgeordnete Kaempf, 
der Präsident des Ältestenkollegiums der Kaufmannschaft von 
Berlin, im Reichstage bei der Beratung des Postetats für die 
Ziele der Denkschrift ein, also für die Ermässigung der Welt 
portosätze bis auf die Inlandstaxen und für Sonderpostvereine 
mit anderen Ländern. 
Auf dem Weltpostkongress zu Rom (7. April bis 23. Mai 
1906) lagen verschiedene Anträge zur Verbilligung des Welt 
postportos vor. Neu-Seeland, leider ziemlich alleinstehend, 
schlug als Briefporto 10 Centimes (= 1 Penny oder 8,1 Pf.), Japan, 
von England unterstützt, 20 Centimes (16 Pf.) an Stelle der 
bestehenden 25 Centimes für je 15 Gramm, vor*. Deutschland, 
Österreich, Ungarn, Dänemark, Luxemburg und die 
Schweiz empfahlen, was auch schon 1897 zu Washington 
einmal beantragt worden war, bloss eine Erhöhung des Brief 
gewichtssatzes von 15 auf 20 Gramm. Dieser Antrag wurde 
angenommen und auf Vorschlag Englands beschlossen, für die 
ersten 20 g 25 Centimes, für weitere 20 g aber nur 15 Centimes 
5 ) Yergl. seinen Artikel „Weltgroschenporto“ in der „Woche“ (Berlin) 
1908, 12. September (Nr. 37). 
°) Auch im „Berliner Jahrbuch für Handel und Industrie“ (Bericht 
der Ältesten usw.), Jahrgang 1906, I, S. 573—584, ahgedruckt.
	        
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