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„Die Einführung des Pennyportos für die englischen Kolonien
(25. Dezember 1898) war eine Bevorzugung derselben im besten Sinne. Die
Ausdehnung auf alle englisch sprechenden Nationen ist nur eine Frage der
Zeit und der Finanzen. Ich habe die Empfindung, dass wir in nicht langer
Zeit mit den Vereinigten Staaten von Amerika Penny-Porto haben werden.
Kommt eine solche Vereinbarung zustande, so ist es undenkbar, dass Deutschland
zurücksteht, Unsere Postverwaltung sollte nicht so lange warten, bis
sie gezwungen wird, von dem jetzigen Tarif abzugehen; vielmehr wäre es
ihrer würdig, die Initiative zu ergreifen. Pennyporto mit Amerika und
Aufrechterhaltung des jetzigen Portos in Europa ist doch kaum im Bereiche
der Möglichkeit.“ 13 )
Der zweite internationale Handelskammerkongress,
der vom 24. bis 27. September 1906 in Mailand tagte und Vertreter
von Handel und Industrie aus den meisten Ländern
Europas und aus Amerika aufwies, beriet an erster Stelle die
Weltportofrage (Referenten: Kaempf, Henniker Heaton,
Bodden-Brüssel u. a.). Er nahm eine Resolution an, wonach
im Interesse der Entwicklung des Welthandels und der
freundschaftlichen Beziehungen der Völker das internationale
Briefporto auf den Inlandssatz (möglichst 10 Centimes) herabzusetzen
sei und die Kongressmitglieder sich bei ihren Regierungen
alle Mühe zur Durchsetzung dieser Reform geben, als Vorbereitung
dazu aber zunächst Sonderpostvereine mit Nachbarländern
fordern sollten. Diese Resolution sei den Regierungen
rrnd Handelskammern aller Weltpostvereinsländer bekannt zu
geben. 14 )
Der Deutsche Handelstag beschloss ebenso in seiner
Tagung vom 9. und 10. April 1907 in Berlin eine Eingabe an
den Reichskanzler des Inhalts, dass unter Herabsetzung des
jetzigen deutschen Postkarten- und Drucksachensatzes (lOundöPf.
beim Weltporto) auf den Normaltarif des Weltpostvereins (10 und
5 Centimes = 8 und 4 Pf.) zunächst mit den Nachbarländern
engere Postvereine abgeschlossen werden möchten, um damit
die allgemeinere Herabsetzung des Weltportos bis auf die Inlandstaxen,
die anzustreben sei, vorzubereiten. 15 )
ls ) „Berl. Jahrbuch f. Handel und Industrie“ (Bericht der Ältesten der
Kaufmannschaft von Berlin), Jahrgang 1906, I. S. 517.
14 ) Ebenda, S. 284—286 und S. 516.
lft ) Ebenda, Jahrgang 1907, S. 571. Vergl. auch „Deutsche Verkehrs-Zeitung“
1907, S. 187.