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Begründung: Vor einigen Monaten sind wir durch
einen Agenten einer hiesigen Zeche, der in Lodz Bergarbeiter
angeworben hat, veranlaßt worden, auf einer hiesigen Zeche in
Arbeit zu treten. Wir sind, dann mit einer größeren Menge
anderer Arbeiter nach hier transportiert worden, sind aber zu
kränklich und schwach für die Zechenarbeit. Nunmehr haben wir
als gelernte Polsterer bei der Firma I. Kramm hier Arbeit ge
sunden. Diese hat uns, wie aus dem anliegenden Schreiben her
vorgeht, bestätigt, daß wir uns durch Fleiß ihre vollste Zufrieden
heit erworben haben. Die Firma wünscht selbst, daß wir als
Polsterergehilfen bei ihr weiter tätig sein mögen. Es ist dieser
Firma sehr schwer, jetzt während des Krieges geeignetes Per
sonal zu bekommen. Es dürfte auch als im allgemeinen Inter
esse liegend anzusehen sein, wenn Einwohner aus den besetzten
Gebieten hier die Lücken ausfüllen können, welche im kaufmän
nischen oder handwerklichen Betriebe entstanden sind, sofern die
Zuverlässigkeit außer Zweifel steht.
Mit Rücksicht hierauf bitten wir untertänigst, unserem An
trage geneigtest stattgeben zu wollen.
Ganz gehorsamst usw.
* * *
Essen, den 31. August 1913.
An den Herrn Polizeipräsidenten in Essen.
Ew. Hochwohlgeboren
überreichen wir in der Anlage ein Gesuch an den Herrn Minister
des Innern, in welchem wir um Gestattung des Aufenthaltes
in Essen nachsuchen. Wir bitten Ew. Hochwohlgeboren ganz
gehorsamst, unseren Antrag befürwortend weiter geben und
unserer Anwesenheit bis zur Entscheidung über das Gesuch nicht
hinderlich sein zu wollen.
Ganz gehorsamst usw.
Drei Schreiben, die an das Polizeipräsidium in Essen ge
richtet wurden, lauteten:
Esse n, den 23. August 1915.
In der Angelegenheit betreffend die russischen Arbeiter
bitten wir Ew. Hochwohlgeboren ergebenst, den nachbenannten
Arbeitern: 1. Polsterer Schia Speiser, 2. Polsterer Kaufmann
Brezynski, welche beide bei der Firma Kramm Hierselbst Arbeit
gefunden haben, bis auf weiteres den Aufenthalt in Essen zu
gestatten.