Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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xeub die Zahl der beschäftigten Kriegsgefangenen sich auf rund 28 OM 
belief. Die mit den letzteren gemachten Erfahrungen haben die Ar 
beitgeber im allgemeinen mehr und mehr befriedigt, während das. 
Urteil über Leistung und Haltung der anderen Art vön Ausländern 
nicht ein gleich günstiges ist. Etwa ein Viertel dieser anderen, die 
Deutsch-Russen, insbesondere Balten sind, ist einwandfrei, die weitere 
Hälfte hat nach anfänglichen Schwierigkeiten, die ihr die ungewohn 
ten Arbeits- und Lebensverhältnisse bereiteten, sich allmählich einge 
wöhnt und auch im ganzen die betreffs ihrer gehegten Erwartungen 
erfüllt. Die restlichen 25 Prozent dagegen, die zumeist dem körperlich 
nicht gerade leistungsfähigen russisch-jüdischen Arbeiter- und Handels 
proletariat entstammen, haben durch ihren häufig planmäßigen, nicht 
nur passiven Widerstand gegen regelmäßige Arbeit, Ordnung und Zucht 
und durch ihr zum Teil aufwieglerisches Verhalten für Arbeitgeber 
und Behörden verschiedentlich arge Unzuträglichkeiten geschaffen. Daß 
bei der gebotenen Zurechtweisung und Unterbringung dieser Elemente 
in andere Arbeitsstellen dann und wann von dem Aufsichtspersonal 
auch mit einem das erlaubte Maß überschreitenden Nachdruck gegen 
sie vorgegangen sein mag, ist an sich nicht zu billigen, aber nach der 
vorhandenen Sachlage erklärlich. Die dabei vereinzelt vorgekommenen 
Fälle körperlicher Zurechtweisung dürfen jedenfalls nicht verallge 
meinert werden und nicht zu dem Urteil führen, daß die Behandlung 
der angeworbenen Ausländer schlechthin hart und unmenschlich sei 
und sich.zu Mihständen ausgewachsen habe. In der einheimischen Be 
legschaft des rheinisch-westfälischen Industriegebiets ist ein solches 
Urteil, das nach der Behauptung des Abgeordneten Hue sogar zu einer 
bedrohlichen Erregung der Arbeiter geführt haben soll, nach den über 
einstimmenden Berichten der lokalen Bergbehörden auch sicherlich nicht 
vorhanden. 
Als Hauptmangel der bisher geübten Anwerbung der Ausländer 
hat sich nach bisherigen Beobachtungen, namentlich solange im An 
fang ihre Heranziehung noch im Wege des freien Anwerbewettbetriebs 
erfolgte, das Fehlen einer gehörigen Sichtung der Arbeiter schon an 
Ort und Stelle in den besetzten Gebieten herausgestellt. Auf diese 
Weise ist eine nicht unerhebliche Zahl, besonders der Lodzer Textil 
arbeiter, in die großindustriellen Betriebe des Westens und Ostens 
zu Arbeiten eingestellt worden, für die sie nach ihrer körperlichen Ver 
fassung und nach ihren Neigungen wenig passen. Die zur Sichtung 
und Klassifizierung der Arbeiter in den besetzten Gebieten erforder 
lichen Maßnahmen sind zupzeit Gegenstand von Verhandlungen, die 
vor ihrem Abschluß stehen. Ein weiterer Nachteil war es für diese Ar 
beiter, daß sie hier im Inland auf Grund mehrfacher Erfahrungen 
zu der Meinung verleitet wurden, es fehle hier an einer behördlichen 
Stelle, an die sie sich in Sachen ihrer Arbeitsverhältnisse wegen Er 
teilung von Rat und Auskunft und auch mit Beschwerden wenden
	        
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