Object: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Weltanschauung 
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zelnen: denn wie soll denn z. B. das Erbrecht verschwinden, der 
Geschlechtsverkehr kontrolliert werden ohne schärfsten Sozialis— 
mus oder Kommunismus? Die physiologische Ethik forderte 
also zu ihrer Durchführung eben die soziologische Seite der 
darwinistischen Sittenlehre, und auch sie wieder in ihrem 
Extrem, in einem äußersten Altruismus. 
Da zeigt sich also klar: zieht man alle biologischen Prinzipien 
der Entwicklungslehre in Betracht, so wie sie Darwin vortrug, 
und wird man nicht bloß von dem Gedanken der entwicklungs⸗ 
mäßigen Ungleichheit der Menschen und dem Phantasma einer 
raschen Emporläuterung der höchstentwickelten zu einer neuen 
phyfiologischen Daseinsstufe erfaßt, so wird durch den Evolutio— 
nismus der alte Gegensatz zwischen Egoismus und Altruismus, 
zwischen persönlichen und sozialen Trieben und Anforderungen 
des Einzelnen und des Ganzen keineswegs beseitigt. Nur das 
läßt sich allenfalls sagen, daß er gegenüber dem Hergebrachten 
eine gewisse, zunächst allerdings nur theoretische Verschärfung 
erfährt. 
Enthielt mithin, so allseitig betrachtet, die Entwicklungs— 
lehre wirklich die Gärungsstoffe einer neuen Ethik? Keines⸗ 
wegs: das uralte Problem der Abfindung mit dem Gegensatze 
des Allgemeinen und Besonderen blieb bestehen; und alle 
Systeme, die es auf Grund der Entwicklungslehre für erledigt 
erklärten und aufheben wollten, scheiterten. 
Von allen diesen Versuchen aber bietet ein weiteres ge— 
schichtliches Interesse im Grunde nur einer: der von der 
Sozialdemokratie gemachte. 
Virchow hatte auf der Münchener Naturforschervers ammlung 
vom Jahre 1877 das Wort fallen lassen, die Darwinsche 
Theorie führe zum Sozialismus. Möglicherweise ist das der 
Anlaß gewesen, daß sich der sozialdemokratische Führer Bebel 
des Darwinismus zur Begründung einer neuen Ethik annahm. 
Freilich unter starken Zumutungen an Leichtgläubigkeit und 
Gutherzigkeit. „Das Darwinsche Gesetz des Kampfes ums 
Dasein“, so führt er aus, „das darin gipfelt, daß das höher 
—DDD00———— niedere verdrängt
	        
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