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1915 ab im Saargebiet für 1 Kind 3 Mark, für zwei Kinder 4
Mark und für jedes weitere Kind 2 Mark Monatszulage gezahlt
würden. Für die fiskalischen Gruben in Oberschlesien sei eben
falls ab 1. November eine Erhöhung des Schichtlohnes um 26
Pfennig angeordnet. Ferner solle hier von demselben Termin ab
auch eine Kinderzulage eintreten, die sich vom dritten Kinde an
auf monatlich 2 Mark pro Kind bemesse. In Westfalen müsse
sich dagegen die fiskalische Bergwerksverwaltung nach der Lohn
politik der Privatgruben richten und könne keine Kinderzulagen
gewähren. Von Bedeutung war die Aeußerung des Ministers,daß
die Klagen der Bergarbeiter wegen schlechter Behandlung und
Tätlichkeiten durch die Beamten künftig streng untersucht und
den Schuldigen die Beamtenqualifikation entzogen werden solle.
Im Aachener Revier war die Eingabe der Verbände auch
nicht ganz erfolglos. Zeche Nordstern gewährte eine Lohn
erhöhung von 6 Prozent, während die Gruben Anna, Wilhelm-
schacht, Adolfschacht, Gouley, Vocart-Lauerweg und Reserveschacht
ihren Schichtlöhnern 20 und 30 Pf. Zulage gewährten. Daß
diese Lohnaufbesserung unzulänglich war, betonte eine von 260
Mann besuchte Bergarbeiterversammlung in nachstehender Re
solution:
Die am 12. Dezember 1915 im Lokale Kügeler in Höngen tagende
Versammlung der Belegschaft des Eschweiler Bergwerksvereins nimmt
Kenntnis von der Eingabe der Bergarbeiterorganisationen an die Or
ganisation der Werksbesiher für den Aachener Bezirk und von den
Verhandlungen der Ausschüsse mit den Werksverwaltungen zwecks
Lohnerhöhung.
Die zugestandenen Teuerungszulagen von 20 bis 30 Pf. pro Schicht
für Schichtlöhner und das Versprechen, daß die Gedingelöhne steigen
würden, kann die Bergarbeiterschaft nicht befriedigen, indem die Teue
rungszulagen den gegenwärtigen Teuerungsverhältnissen keineswegs
entsprechen und die den Gedingearbeitern versprochene Lohnsteigerung
wird in der Praxis eine Steigerung der Leistungen bedingen.
Eine erhöhte Ausnutzung der Arbeitskraft der Bergarbeiter würde
zur Folge haben, daß die Gesundheit der Bergarbeiter noch mehr zurück
gehen .würde. Im Aachener Revier ist aber jetzt schon die höchste
Krankenzifser von sämtlichen Bergbaurevieren.
Die Versammlung verlangt von den Werksverwaltungen ein
weiteres Entgegenkommen und angemessene Aufbesserung der Löhne.
Bochum, den 14. Dezember 1916.
An das König!. Oberbergamt Dortmund.
Der Unterzeichnete gestattet sich, dem Königlichen Ober
bergamt folgendes zu unterbreiten: