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Im Ruhrrevier, wo die Bergleute bisher ihr möglichstes getan
haben, wird die Stimmung auch immer bedrohlicher. Dies tritt
in den Entschließungen der Versammlungen und Konferenzen
der Bergarbeiter sehr in die Erscheinung. Eine am 11. Mai in
Hiesfeld stattgefundene Versammlung beschloß, die Vertreter der
Bergarbeiter im Reichstag und Landtag aufzufordern, bei der
Regierung wegen der Lohnfrage vorstellig zu werden. Mit 6,20
bis 6,60 Mark Lohn Pro Tag können keine Familien auskommen.
Die Geduld der Bergleute sei bald zu Ende und würde, wenn
keine Abhilfe geschaffen werde, die Arbeit eingestellt. In den
Orten Suderwich und Erkenschwick im Landkreise Recklinghausen
sind die Bergleute sehr erregt, weil Butter, Fleisch und Fett
nicht gerecht verteilt würde. Die besser gestellten Bevölkerungs-
kreise könnten Butter genügend bekommen, während die Berg
leute mit den ihnen zugeteilten knappen Rationen zufrieden sein
müßten. Auch wird in diesen Orten auf den Zechen König Lud
wig und Ewald Fortsetzung Margarine und Butter in 6-Pfund-
Paketen an Beamte und Werkslieblinge ausgegeben, während
die Mehrzahl der Belegschaft leer ausgeht. Auch sonst kommen
noch aus einer großen Anzahl Orte des Ruhrreviers und auch
anderer Reviere Beschwerden, daß die Bergleute nicht mehr in
der Lage wären, unter den jetzigen Verhältnissen ihre schwere
Berufsarbeit in der gewohnten Weise fortzusetzen. Ueberall
ertönt der Ruf: Höhere Löhne oder billigere Lebensmittel und
größere Fleisch- und Fettrationen für die Schwerarbeiter! Wir
müssen dringend bitten, diesen Fragen erhöhte Aufmerksamkeit
zu schenken, da sonst die Gefahr besteht, daß die Kohlenförderung
zurückgeht.
Der Vorstand des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands.
S a ch s e.
Telegramm vom 24. Mai 1916.
Königliches Kriegsministerium, Abteilung AZ, Berlin.
Im Anschluß an unser Telegramm vom 20. Mai gestatten
wir uns, einem hohen Kriegsministerium folgendes zu unter
breiten: Der Streik auf der Fuchsgrube im Waldenburger Berg
revier ist beendet. Die Arbeiterausschüsse haben in einer gemein
schaftlichen Eingabe an das Königliche Generalkommando in
Breslau zwecks Vermittelung sich gewandt. Wenn weitere Stö
rungen verhütet werden sollen, dann muß eine Erhöhung der
Löhne un'bedingt eintreten. Im Saargebiet haben in der Vor
woche Belegschaftsteile aus den Gruben Brefeld, Dudweiler,
Altenwald und Sulzbach ein oder zwei Tage die Arbeit einge
stellt wegen Lohnbeschwerden. Zwar nur meist jüngere Leute,