Sie kennen den Wert des Geldes, erworben durch schwere Arbeit,
sehr gut, im Gegensatz zu anderen Jugendlichen, aufgewachsen in guten
Verhältnissen, ohne harte Arbeit und immer mit reichlich Taschengeld
versehen, die abends in Begleitung die Kaffeehäuser usw. „zieren".
Wir haben die Erfahrung gemacht, die bestätigt wird von unseren
Mitgliedern, den Eltern der Jugendlichen, daß diese freudestrahlend
an Lohntagen nach Hause kommen und ihren Verdienst auf Heller und
Pfennig abliefern.
Man würde den Jugendlichen ihre Arbeitsfreudigkeit rauben,
wenn man durch den Sparzwang gewissermaßen Mißtrauen gegen sie
zeigte, und der Anreiz zur Arbeit würde wegfallen, wenn man ihnen
die Auszahlung des von ihnen verdienten Lohnes verweigern würde.
Die Herren Werksbesitzer in Bochum haben sich auch aus: vor
genannten Gründen in einer Sitzung im Frühjahr 1916, an der auch
Vertreter der Organisationen teilnahmen, gegen den Sparzwang der
Jugendlichen ausgesprochen und sind wir auch heute noch Gegner
desselben.
Hochachtungsvoll! •
Der Vorstand des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands.
Eingabe betreffs Erhöhung der Brotration im Kreis Weilburg.
Bochum, den 19. Oktober 1916.
An den Königlichen Landrat in Weilburg a. d. Lahn.
Der ergebenst unterzeichnete Vorstand des Verbandes der
Bergarbeiter Deutschlands bittet den Herrn Königlichen Landrat
im Aufträge der Mitglieder des deutschen Bergarbeiterverbandes
in Wirbeläu und Gräveneck, den dort wohnenden Bergarbeitern
die Brotration entsprechend zu erhöhen. Zur Begründung ge
statten wir uns folgendes anzuführen:
Die Gewinnung von Eisenerz ist für das Wirtschaftsleben
unerläßlich. Daß die Bergarbeiter, welche immer angestrengt
hart arbeiten müssen, und zwar unter den schwierigsten Verhält
nissen, des natürlichen Lichts und der Lust entzogen, immer von
Gefahren umgeben sind, dürfte wohl allgemein bekannt sein.
Schon bei genügender Ernährung wirken diese Umstände benach
teiligend auf den Gesundheitszustand. Kommt nun aber noch
schlechte Ernährung hinzu, so muß das zur völligen Gesundheits-
zerrüttnng und damit zur Erwerbsunfähigkeit führen. Die Erz
arbeiter zählen mit unter die Kategorie der Schwerstarbeiter.
Der Präsident des Kriegsernährungsamtes, Herr von Batocki,
hat eine Verfügung erlassen, wonach die Schwerstarbeiter An