Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

228 
zu ergänzen. Wer das nicht kann — und das ist der 
weitaus größte Teil der Arbeiterfamilien! —, der darbt 
und leidet unter folgenschwerster Unter 
ernährung! 
Vorstehende Preistabelle, die überdies die noch viel höheren 
Wucherpreise für sogenannte „Auslandsware" unberücksichtigt 
läßt, weist für die absolut nötigsten Nahrungsmittel Preis 
erhöhungen von 100 bis weit über 400 Prozent aus! Dem 
gegenüber steht nur eine gleichzeitige Zunahme des Bergarbeiter- 
lohnes von höchstens 40 Prozent! 
Wir glauben uns einen weiteren eingehenden Nachweis der 
eingetretenen Teuerung ersparen zu können. Die Tatsachen 
sind so offenkundig, daß sie nicht mehr bestritten werden können. 
Neuerdings hat ja noch der preußische Herr Handelsminister 
anerkannt, daß für die Bergarbeiter mehr wie bisher getan 
werden muß. Dem Vorstand des deutschen Städtetages, der sich 
gegen die Erhöhung der Brennstoffpreise gewandt hatte, schrieb 
der Herr Minister, die Regierung sei nicht in der Lage, der 
Erhöhung entgegenzutreten. Er begründete das u. a. damit, 
daß der Bergbau in der Lage sein müsse, „vor allem seiner 
Belegschaft durch Lohnaufbesserungen die Lebenshaltung zu er 
leichtern, ihre Arbeitsfreudigkeit durch Hilfe bei der Beschaffung 
von Lebensmitteln, durch Fürsorge für die Knappschaftsmit 
glieder und sonstige freiwillige Leistungen zu heben und sie 
auch gegenüber dem starken Wettbewerb der Kriegsindustrie an 
sich zu fesseln. 
Da diese Gründe die Kgl. Staatsregierung veranlaßten, 
der Brennstoffpreiserhöhung ihre Zustimmung zu erteilen, so 
geben wir uns der Hoffnung hin, daß die Herren Werksbesttzer 
von der durch die erhebliche Preiserhöhung für Kohlen bezw. 
Koks und Briketts gegebenen Möglichkeit, den unter den jetzigen 
Verhältnissen schwer leidenden Bergarbeitern die Löhne aus 
reichend zu erhöhen, den ausgiebigsten Gebrauch machen. 
(Folgen Unterschriften.) 
* * * 
Aehnliche Eingaben wurden auch an die Unternehmerver 
tretung des rheinischen Braunkohlenbergbaues abgesandt- 
Die eingegangenen Antworten waren nicht direkt ablehnend, 
sondern es wurde zugesagt, daß der Lohn weiter steigen solle. 
Durch Benutzung der im Hilssdienstgesetz eingeräumten 
Rechte ist es denn auch in den Monaten Februar und März 1917 
gelungen, bei geschicktem Vorgehen ganz ansehnliche Lohn 
steigerungen auf einer Anzahl von Zechen zu erreichen. Man 
. konnte schon nicht umhin, Lohnerhöhungen zuzubilligen, da Re 
gierung und Oeffentlichkeit durch unsere Eingaben auf die der-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.