Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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zu  ergänzen.  Wer  das  nicht  kann  —  und  das  ist  der
weitaus  größte  Teil  der  Arbeiterfamilien!  —,  der  darbt
und  leidet  unter  folgenschwerster  Unterernährung! ­

Vorstehende  Preistabelle,  die  überdies  die  noch  viel  höheren
Wucherpreise  für  sogenannte  „Auslandsware"  unberücksichtigt
läßt,  weist  für  die  absolut  nötigsten  Nahrungsmittel  Preiserhöhungen ­
  von  100  bis  weit  über  400  Prozent  aus!  Demgegenüber ­
  steht  nur  eine  gleichzeitige  Zunahme  des  Bergarbeiterlohnes
  von  höchstens  40  Prozent!
Wir  glauben  uns  einen  weiteren  eingehenden  Nachweis  der
eingetretenen  Teuerung  ersparen  zu  können.  Die  Tatsachen
sind  so  offenkundig,  daß  sie  nicht  mehr  bestritten  werden  können.
Neuerdings  hat  ja  noch  der  preußische  Herr  Handelsminister
anerkannt,  daß  für  die  Bergarbeiter  mehr  wie  bisher  getan
werden  muß.  Dem  Vorstand  des  deutschen  Städtetages,  der  sich
gegen  die  Erhöhung  der  Brennstoffpreise  gewandt  hatte,  schrieb
der  Herr  Minister,  die  Regierung  sei  nicht  in  der  Lage,  der
Erhöhung  entgegenzutreten.  Er  begründete  das  u.  a.  damit,
daß  der  Bergbau  in  der  Lage  sein  müsse,  „vor  allem  seiner
Belegschaft  durch  Lohnaufbesserungen  die  Lebenshaltung  zu  erleichtern, ­
  ihre  Arbeitsfreudigkeit  durch  Hilfe  bei  der  Beschaffung
von  Lebensmitteln,  durch  Fürsorge  für  die  Knappschaftsmitglieder ­
  und  sonstige  freiwillige  Leistungen  zu  heben  und  sie
auch  gegenüber  dem  starken  Wettbewerb  der  Kriegsindustrie  an
sich  zu  fesseln.
Da  diese  Gründe  die  Kgl.  Staatsregierung  veranlaßten,
der  Brennstoffpreiserhöhung  ihre  Zustimmung  zu  erteilen,  so
geben  wir  uns  der  Hoffnung  hin,  daß  die  Herren  Werksbesttzer
von  der  durch  die  erhebliche  Preiserhöhung  für  Kohlen  bezw.
Koks  und  Briketts  gegebenen  Möglichkeit,  den  unter  den  jetzigen
Verhältnissen  schwer  leidenden  Bergarbeitern  die  Löhne  ausreichend ­
  zu  erhöhen,  den  ausgiebigsten  Gebrauch  machen.
(Folgen  Unterschriften.)
*  *  *
Aehnliche  Eingaben  wurden  auch  an  die  Unternehmervertretung ­
  des  rheinischen  Braunkohlenbergbaues  abgesandt-Die
  eingegangenen  Antworten  waren  nicht  direkt  ablehnend,
sondern  es  wurde  zugesagt,  daß  der  Lohn  weiter  steigen  solle.
Durch  Benutzung  der  im  Hilssdienstgesetz  eingeräumten
Rechte  ist  es  denn  auch  in  den  Monaten  Februar  und  März  1917
gelungen,  bei  geschicktem  Vorgehen  ganz  ansehnliche  Lohnsteigerungen ­
  auf  einer  Anzahl  von  Zechen  zu  erreichen.  Man
.  konnte  schon  nicht  umhin,  Lohnerhöhungen  zuzubilligen,  da  Regierung ­
  und  Oeffentlichkeit  durch  unsere  Eingaben  auf  die  der-
            
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