Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Len durch die schwere Grubenarbeit entstehenden Kräfteverbrauch 
zu ersetzen. Dabei sollen noch Ueberschichten Verfahren werden. 
Viele Bergarbeiter sind dazu geneigt, da sie wissen, wiö hochnötig 
Mehrförderung im Interesse des Vaterlandes ist. Doch alles hat 
seine Grenzen, auch die menschliche Leistungsfähigkeit, wenn nicht 
für den verbrauchten .Kräftestoff Ersatz geschaffen wird. So 
wurde uns in den letzten Tagen gemeldet, daß Bergarbeiter bei 
der Arbeit zusammenbrachen, andere nicht ihrer Arbeit nachgehen 
können, da es ihnen an Lebensmitteln fehlt. Was sind z. B. 350 
Gramm Mehl anstelle von 5 Pfund Kartoffeln? Es kann un- 
inöglich verlangt werden, daß der Bergmann mit leerem Magen 
zur Arbeit gehen soll. 
So kann es nicht weitergehen, wir erheben deshalb unsere 
warnende Stimme. 
Wie wir aus der Tagespresse erfahren haben, hat die Zufuhr 
aus Rumänien die Erwartungen übertroffen. Die Ernte soll auch 
in Deutschland eine sehr gute werden. Weshalb wird das aus 
Rumänien Komniende nicht schleunigst in die Industriegebiete 
geschafft und warum versorgt man die Schwerarbeiter nicht da- 
init, denn das Gemüse in Deutschland ist zu knapp und weist 
Preise auf, die unerschwinglich sind. Frühkartoffeln, mögen sie 
aus Rumänien oder Holland kommen, dürfen nicht zu ungeheuren 
Preisen für die Wohlhabenden reserviert werden, sondern sie sind 
zu annehmbaren Preisen an die Jndustriearbeiterschaft abzu 
geben. Wenn auch vorläufig nicht tausende von Waggons in 
Betracht kommen, so würde damit doch der Nahrungsmittel- 
mangel in den Industriegebieten etwas gelindert. 
Wo es an der notwendigen Kartoffeizufuhr fehlt, muß unbe 
dingt für genügende Ersatznahrungsmittel gesorgt werden. Die 
bisher gewährten Mengen an Ersatznahrungsmitteln sind viel zu 
gering, um die schwerarbeitende Bevöikerung in den Industrie- 
bezirken leistungsfähig zu erhalten. Vor allen Dingen ist fol 
gendes zu beachten: Die vom Kriegsernährungsamt sowie von 
den sonst mit der Lebensmittelversorgung beschäftigten staat 
lichen oder kommunalen Behörden gegebenen Versprechungen 
müssen unbedingt gehalten werden.Der Ernst der Stunde gebietet 
ein schnelles, durchgreifendes Handeln. Geschieht das nicht und 
wird unsere warnende Stimme nicht gehört und befolgt, dann ist 
in allernächster Zeit damit zu rechnen, daß die ununterbrochene 
Kohlenförderung nicht aufrecht erhalten werden kann. 
Es ist ferner unbedingt notwendig, daß die mit der Lebens 
mittelverteilung betrauten Behörden mehr wie bisher ihre Ver 
treter in die Belegschaftsversammlungen sendön, damit sie den 
Organisationsvertretern zur Seite stehen, um Aufklärung und 
Belehrung über die Lebensmittelverteilung zu schaffen und sich 
über die Lage und Stimmung persönlich zu unterrichten.
	        
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