Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Ursachen  des  Augenzitterns  gehören,  das;  die  Begründung  obiger  Lehre
zum  Teil  sicher  unrichtig,  zum  Teil  zu  unbestimmt  ist,  um,  überzeugend
zu  wirken,  daß  vor  allem  die  Gegenprobe  vollständig  im  Stich  läßt.
Bezüglich  der  alltäglichen  Augenverletzungen  leichter  Art  komme  ich  zu
dem  Schluß,  daß  ihre  Anschuldigung  abzulehnen  ist.  Was  die  schweren
Allgemcinverletzungen  angeht,  so  ist  ihre  Rolle  noch  nicht  geklärt.
Weitere  sorgfältige  Untersuchungen  sind  notwendig.  Bis  jetzt  ist  aber
der  Beweis  für  ihre  ungünstige  Wirkung  auf  das  Augenzittern  nicht
erbracht.
Anwendung  auf  den  vorliegenden  Fall.  B.  leidet  an  lebhaftem,
seine  Arbeitsfähigkeit  beträchtlich  verminderndem  Augenzittern.  Was
seine  Entstehungszeit  angeht,  so  nehme  ich  auf  Grund  meiner  Erfahrungen ­
  an,  daß  es  bereits  vor  dem  Unfall  vorhanden  war.  Denn
das  Augenzittern  entsteht  bei  75  Prozent  der  Fälle  bis  zum  39.  Lebensjahre. ­
  Der  Unfall  war  an  sich  leichter  Natur,  wurde  aber  ernst  durch
das  Hinzutreten  der  Wundrose,  die  den  Patienten  wochenlang  ans
Krankenlager  fesselt.  Sichere,  das  Zitiern  beeinflussende  Schädlichkeiten ­
  find  aber  nicht  nachzuweisen.
Das  stärkere  Hervortreten  des  Zitterns  im  weiteren  Verlaufe  zu
bestreiten,  liegen  keine  Gründe  vor.  Daß  diese  Verschlimmerung  des
Augenzitterns  aber  durch  den  Unfall  oder  feine  Folgen  bedingt  gewesen ­
  ist,  dafür  fehlt  der  Wahrscheinlichkeilsbeweis.  Es  muß  sich  um
zufälliges  Zusammentreffen  handeln."
Das  Oberversicherungsamt  Dortmund  holte  nun  auf  Antrag
des  Berufungsklägers  ein  zweites  Gutachten  ein  nnd  zwar  von
der  Königlichen  Augenklinik  in  Marburg  a.  d.  Lahn.  Es
enthält  unter  anderem  folgende  bemerkenswerte  Stellen:
„Von  vornherein  möchte  ich  die  Möglichkeit,  daß  gewisse  Unfälle
»nd  Krankheiten  das  Augenzittern  der  Bergleute  auslösen  oder  ein
bereits  vorhandenes  erheblich  verschlechtern,  nicht  von  der  Hand  weisen.
Und  zwar  auf  Grund  der  Erfahrung,  daß  auch  andere  Störungen  in
der  Innervation  der  Augenmuskeln  durch  Unfälle.  Krankheiten  oder
sonstige  Umstände,  die  eine  Minderung  der  körperlichen  und  seelischen
Widerstandsfähigkeit,  eine  Schwächung  der  Willensstärke  und  der  nervösen ­
  Spannkraft  bedingen,  hervorgerufen  werden  können.  Ich  denke
dabei  nicht  bloß  an  gewisse  Formen  traumatischer  Hysterie,  die  einen
Convergeuzkampf  —  milunter  begleitet  von  Lidkrampf  —  als  hervorstehendes ­
  Merkmal  zeigen,  sondern  noch  mehr  an  die  gar  nicht  seltenen
Fälle,  bei  denen  körperliche  Ueberanftrengungen,  Erschöpfung  im  Gefolge ­
  längerer  fieberhafter  Erkrankungen,  schwere  Aufregungen  und
Sorgen,  aber  auch  Schreck  und  Schotwirkung  bei  einem  Unfall  zu  überaus ­
  störendem  Doppeltsehen  oder  auch  nur  zu  hochgradigen  Augen-  und
Kopfschmerzen  führen  bei  jedem  Versuch,  die  Augen  zum  Rahesehen
(Lesen  und  Schreibens  zu  gebrauchen  "
Am  Schlüsse  des  Gutachtens  wird  folgendes  hervorgehoben:
„Die  Anlage  zum  Augenzittern  ist  in  einem  gewissen  Prozentsatz
unter  den  Bergleuten  teils  durch  individuelle  Eigentümlichkeiten  ge-
            
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