wisser, auf die Augenmuskeln wirkender nervösen Organe — vielleicht
inisbesondeve des Ohrlabyrinths — prüformiert, teils durch die schädi
gende Einwirkung der Beruflichen Tätigkeit erworben, wird aber Jahre
und Jahrzehnte lang unterdrückt durch den vorherrschenden Einfluß
der Hirnrinden-Zentren für die willkürlichen und die Fusionsbe
wegungen der Augen. Eine Schwächung dieses Einflusses durch Un
fälle oder Krankheiren, welche die Willenskraft (Energie) in Mit
leidenschaft ziehen, wird in den meisten Fällen noch keinen Ausbruch
des Augenzitterns zur Folge haben, sei es, weil die Anlage zum
Zittern oder die Schwächung jener Zentren relativ zu gering ist. Ist
aber zur Beherrschung der Anlage die voll normale Leistungsfähigkeit
der Großhirnzentren erforderlich, fo wird schon bei einer relativ ge
ringfügigen Minderung dieser Kraft der hemmende Einfluß auf die
Anlage zum Zittern nicht mehr zureichen und dieses zum Ausbruch ge
langen. Auf diese Weise können also Unfall und Krankheit die mittel
bare Ursache des Augenzitterns werden, — ganz ebenso wie sie mittel
bar Schielen und Doppeltsehen dadurch veranlassen, daß sie den Ein
fluß des die Anlage zu!m Schielen korrigierenden Fusionsapparates
mindern bzw. ausschalten.
Wenn ich somit auf Grund der angeführten Tatsachen und Ueber-
legungen die Möglichkeiten eines ursächlichen Zusammenhanges zwischen
Unfall bzw. Krankheit und Augenzittern der Bergleute zuzugeben mich
genötigt sehe, so bin ich doch weit entfernt davon, jeden Unfall und jede
Krankheit für ein hincerdrein auftretendes oder verschlimmertes Zittern
verantwortlich machen zu wollen, wie das z. B. in Belgien (nach Cop-,
pez) grundsätzlich geschah. Ich stimme Ohm durchaus zu, wenn er sich
gegenüber der Meinung der Autoren, daß jede Störung des Allge
meinbefindens, jede körperliche Verletzung das Augenzittern ungünstig
beeinflussen soll, ablehnend verhält. Jeder einzelne Fall muß für sich
auf Grund der gesamten vorliegenden Tatsachen geprüft werden. Es
müssen Anhaltspunkte dafür ermittelt werden, daß Unfall oder Krank
heit das Allgemeinbefinden erheblich beeinträchtigt haben, sei e>s durch
die Schwere der Verletzung, hochgradigen Nervenschok, oder längeres mit
Entkräftung verbundenes 'Krankenlager. Das Augenzittern braucht
nicht unmittelbar nach dem Unfall bzw. noch während des Krankseins
aufzutreten, aber es muß, um cs mit einer gewissen Wahrscheinlrch-
keit darauf zurückführen zu dürfen, doch unmittelbar nach Wiederauf
nahme der Grubenarbeit manifest werden, sobald sich neben den Krank-
heirsfolgen diejenigen Faktoren geltend machen können, die zum Augen
zittern disponieren — Dunkelheit, körperliche Anstrengung, unbequeme
Blickrichtung usw. —, und die nur von dem ungeschwächten nervösen
Zentralorgan beherrscht werden konnten.
Nebrigcns halte ich es für sehr wohl möglich, daß auch bald nach
schweren Verletzungen bei Bergleuten kontinuierliches Augenzittern auf
tritt, da nach Unfällen, die von einer sogenannten traumatischen Neu
rose gefolgt sind, nicht selten ein dem Zittern der Greise und Alto-