Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

löhner.  Auch  hier  mutz  eine  Aenderung  eintreten.  Hier  gibt
es  genug  Handwerker,  die  verheiratet  und  mit  vielen  Kindern
gesegnet  sind,  die  samt  allen  Zuschlägen  keinen  ausreichenden
Lohn  verdienen.  Aus  diesen  wie  aus  anderen  Gründen  haben
die  Bergarbeiterverbände  auf  dem  Standpunkt  gestanden,  datz
es  gut  wäre,  in  der  schweren  Kriegszeit  auch  den
kinderreichen  Familien
durch  Gewährung  von  erhöhten  Kindergeldern  entgegenzukommen. ­
  Was  den  Kindern  an  Schuhen,  Kleidern  und  Wäsche  gekauft ­
  werden  mutz,  erfordert  horrende  Summen.  Mit  den  bisher ­
  gezahlten  Kindergeldern  ist  da  wenig  gedient.  Man  sollte
meinen,  datz  es  hier  gar  keiner  Begründung  bedarf,  um  helfend
einzugreifen.  Will  man  ärmere  Familien  mit  grotzer  Kinderzahl ­
  besonders  berücksichtigen,  läßt  sich  schon  der  Weg  finden,
wenn  der  gute  Wille  da  ist.
Hiermit  sind  die  Wünsche  und  Beschwerden  angedeutet,  die
sich  in  den  Lohnfragen  laut  machen,  und  die  die  Bergarbeiter
auch  im  Saarrevier  ständig  in  den  letzten  Jahren  in  Bewegung
hielten.  Wir  erkennen  an,  daß  man  durch  Bewilligung  von  Lohnforderungen ­
  und  Entgegenkommen  andererseits  dazu  beigetragen
hat,  daß  ernste,  schwierige,  wirtschaftliche  Konflikte  ausgeblieben
find.  Auch  die  Bergarbeiter  erkennen  das  an,  aber  Notwendigkeiten, ­
  von  welchen  oft  ihre  Existenz  abhängt,  zwingen  die  Bergarbeiterschaft, ­
  mit  ihren  Forderungen  über  das  Bewilligte  hinauszugehen. ­
  Wer  unter  und  mit  den  Bergleuten  lebt,  versieht
das  und  mutz  den  Verlangenden  Recht  geben.
Die  Gründe,  die  bisher  den  Forderungen  der  Bergarbeiter
entgegengehalten  wurden,  z.  B.  der  Hinweis  auf  die  „selbstverschuldete" ­

Minderleistung  der  Bergarbeiter,
sind  nur  Scheingründe,  sie  sind  eine  Verletzung  des  Berufs,  der
Arbeiterehre,  der  Arbeiter.  Wir  betonen  nochmals,  in  keiner
Zeit  sind  die  Arbeitskräfte  im  Bergban  so  angespannt  gewesen,
wie  während  dieses  Krieges.  Wenn  die.  Leistung  trotzdem  fiel,
dann  sind  hierfür  Ursachen  vorhanden,  an  denen  die  Arbeirer
unschuldig  sind,  für  die  sie  keine  Verantwortung  zu  tragen  haben.
Mit  berechtigtem  Ingrimm  wendet  sich  die  Bergarbeiterschaft
gegen  die  Versuche,  sie  für  ivirtschaftliche  Wirkungen  der  Minderleistungen ­
  haftbar  zu  machen.  Wenn  der  fiskalische  Betrieb
in  wenigen  Jahren  auch  nicht  die  Rentabilität  der  früheren
Jahre  zeigt,  wenn  aber  gerade  für  den  Staatsbergbau  die  Aussicht ­
  besteht,  nach  der  Kriegszeit  sich  a»,  ehesten  zu  erholen,
dann,  so  meinen  wir,  sollte  man  zu  Zeiten,  wie  wir  sie  jetzt  in
Deutschland  durchmachen,  nicht  nur  auf  Industrie-,  sondern  auch
auf  Lebenskultur  desjenigen  Teiles  der  Bevölkerung  sehen,  die
ihre  Kraft  und  Gesundheit  zusehends  mehr  und  mehr  dem  Lande
zum  Opfer  bringt.  Die  Kraft  Deutschlands  beruht  nicht  allein
            
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