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angefügten Bericht von einer solchen Belegschaftsversammlung,
welche am 13. d. Mts. in Langendreer für die Belegschaft der
Zeche Bruchstratze stattfand, zur Kenntnisnahme. Trotzdem die
Belegschaft über verschiedene Vorkommnisse etwas aufgeregt ist
(wurde doch dort kürzlich von einem Steiger ein 70-jähriger
Mann geprügelt, welcher schon 38 Jahre auf dieser Zeche ist),
verlief die Versammlung musterhaft und wirkte beruhigend,
wie uns unser Berichterstatter bestätigt.
Im Dortmunder Bezirk hingegen hat die Stadtbehörde für
eine Versammlung am 13. d. Mts. alle möglichen Bedingungen
gestellt, welche mehr beunruhigend als beruhigend wirkten.
Wir bitten nochmals der Abhaltung solcher Versammlungen
keine Hindernisse in den Weg zu legen und bitten nochmals um
geneigten Bescheid.
Der Vorstand des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands,
Langendreer. Am 13. d. Mts. tagte hier eine Belegschaftsversamm
lung der Zeche Bruchstratze, in welcher der Arbeiterausschutz Bericht
erstattete über die Verhandlungen des Ausschusses mit der Zechen
verwaltung betreffs einer Lohnerhöhung. Der Arbeiterausschutz er
klärte, die Zechenverwaltung behaupte, der Lohn sei in verschiedenen
Steigerrevieren schon um 30 bis 50 Pf. und mehr gestiegen. Der Herr
Inspektor Alfermann habe aber auch erklärt, der Lohn solle bis zum
1. Juli d. I. um noch mehr steigen, wie die Arbeiterverbände gefordert
hätten. Auf eine spezielle Berechnung der Teuerungszulage wolle sich
die Werksverwaltung aber nicht einlassen. Inspektor Alfermann, der
mit mehreren Beamten der Versammlung beiwohnte, bestätigte die
Richtigkeit der vom Ausschutz gemachten Angaben. Als aber auch er
behauptete, in einigen Steigerrevieren sei der Durchschnittslohn um
40 bis 58 Pf. pro Schicht im Vormonat gestiegen, trotzdem die Arbeits
leistung zurückgegangen sei, erntete er einen stürmischen Widerspruch
der Versammelten. Es kamen dann mehrere Arbeiter zum Wort,
die von einer Lohnerhöhung noch nichts gemerkt hatten. Es wurde be
hauptet, datz noch sehr viele gelernte Arbeiter einen Lohn von 5—6,50
Mark hätten und dieser auch ausgezahlt worden sei. Sehr oft fehle es
an Holz und sonstigem Material. Ebenso sei das Sprengmaterial
miserabel in der Wirkung, ja man habe selbst äußerst viel Versager.
Der eventuelle Zurückgang der Leistung sei wohl zum größten Teil
auf diese Mängel, aber allerdings auch auf die Teuerung der Lebens
mittel und der damit verbundenen schlechteren Ernährung der Arbeiter
zurückzuführen. Es folgte dann eine Aussprache zwischen dem Herrn
Inspektor und dem Kameraden Manekellex. Letzterer untersuchte die
Frage, ob die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-Aktien-
Gesellschast nicht doch etwas mehr für die Arbeiter tun könne und
zurzeit selbst müßte, wenn die Arbeiter kräftig und leistungsfähig