Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

80 
für Sonntag, den 11. Juli, nachmittags 3 Uhr, im Lokale des 
Wirts Herrn Hohendahl zu Bertlich vorgesehene Mitglieder 
versammlung an. Bevor er die Anmeldebescheinigung darüber 
erhielt, mußte er sich unterschriftlich verpflichten, keine Bespre 
chung der Lohnfrage zuzulassen. Unser Vertrauensmann berief 
sich auf das Schreiben des Generalkommandos. Es wurde ihm 
aber gesagt, das Generalkommando habe eine neue Verfügung 
herausgegeben, durch welche jede Erörterung der Lohnfrage ver 
boten sei. Die Einsichtnahme der angeblichen neuen Verfügung 
wurde verweigert. 
Auch der überwachende Beamte hatte in der Versammlung 
wohl das Schreiben des Generalkommandos und die Verzicht 
erklärung des Einberufers mit, aber nicht die neue Verfügung. 
Er erklärte, sich an seinen Instruktionen halten und jede Be 
sprechung der Lohnfrage verhindern zu müssen. Diese hat dann 
auch nicht stattgefunden, mit Ausnahme desSatzes. daß der Haupt 
redner, der Urbeitersekretär Heinrich Aufdecstraße aus Bochum, 
erklärte, die Bergarbeiter hofften, daß die Steigerung der Löhne 
weiter anhalten möge, also dasselbe sagte, was der Herr Minister 
gesagt und als berechtigt anerkannt hat. Die Versammlung 
nahm einen durchaus ruhigen Verlauf. 
Wir bitten nun, für den Fall, daß eine neue, die Bespre- 
chung der Lohnfrage verbietende Verfügung heraus ist, uns die 
selbe bekannt zu geben. 
Anderenfalls bitten wir, die Polizeiverwaltung in Buer 
anzuweisen, die ruhige und sachliche Besprechung der Lohnfrage 
in den Versammlungen nicht mehr zu verhindern. 
Wir glauben Grund zu der Annahme zu haben, daß die an 
gebliche neue Verfügung überhaupt nicht existiert. Zunächst 
spricht dafür die.Tatsache, daß weder aus derselben vorgelesen, 
noch die Einsichtnahme gewährt wurde. 
Einer geneigten Antwort entgegensehend, zeichnet 
Hochachtungsvoll! 
Der Vorstand des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands. 
* * * 
Bochum, den 20. Juli 1915. 
An das stellvertretende Generalkommando in Münster. 
Unser Bezirksleiter Heinrich Krähn aus Gladbeck sandte uns 
zur Information beiliegendes Schreiben der Polizeiverwaltung 
von Buer. Aus demselben ersieht Ew. Exzellenz, daß immer 
noch verboten wird, über Löhne und Arbeiterfragen in unseren 
Mitgliederversammlungen zu sprechen. Es ist aber notwendig, 
unsere Mitglieder darüber zu unterrichten, wie sich bis jetzt die
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.