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Zeit mehrfach Klagen über niedrige Löhne, schlechte Behandlung
und ungenügende Beköstigung zugegangen.
Nach den uns gemachten Mitteilungen sollen die russischen
Arbeiter 80 Prozent des von ihren deutschen Kameraden verdienten
Lohnes erhalten. Diese Vereinbarung ist jedoch seitens
der benannten Zechenverwaltung nicht immer eingehalten worden,
wie aus den im August an die russischen Arbeiter gezahlten
Löhnen hervorgeht. Es wurden Löhne gezahlt an Verheiratete
von 2,70 bis 5,20 Mark. Dem russischen Arbeiter Isaak Böhm
wurde von seinen deutschen Kameraden, mit denen er zusammen
arbeitete, gesagt, sie verdienten diesen Monat gut, gemeint war
der Monat August, bei 80 Prozent bekäme er 6 Mark pro Schichte
Am Lohntag erhielt Böhm jedoch nur 2,70 Mark pro Schicht.
Böhm ist 26 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder.
Von dem russischen Arbeiter Brockmann wird uns mitgeteilt,
daß dieser ebenfalls nur 2,70 Mark pro Schicht erhalten
habe, während sein deutscher Kamerad 6,60 Mark verdient hätte.
Aehnliche Fälle sind uns noch mehr mitgeteilt worden. Von
dem verdienten Lohn wird den verheirateten Arbeitern ein Teil
zur Unterstützung ihrer in der Heimat verbliebenen Familien
einbehalten und nach dort gesandt. Außerdem wird für Menage
1,80 Mark und für Schlafgeld 20 Ps. pro Tag berechnet und vom
Lohn in Abzug gebracht.
Reicht der eben angeführte Lohn noch nicht einmal aus zur
Unterstützung der Angehörigen, für Menage und Schlafgeld, so
kann erst recht keine Rede davon sein, für Wäsche und Kleidung
zu sorgen. Trotzdem sind die russischen Arbeiter nach § 4 der
Hausordnung ihres Unterkunftsraumes verpflichtet, jeden
Samstag für reine Wäsche zu sorgen, andernfalls sie in Strafe
genommen werden.
Was die Behandlung anbetrifft, so haben Steiger Wolf und
der Betriebsführer von Prinzregent zu Klagen Anlaß gegeben.
Als ein russischer Arbeiter bei Steiger Wolf in höflichem Tone
am Schalter vorsprach, es fehle ihm eine Schicht, er habe 10
Schichten verfahren und nur 9 seien ihm angerechnet worden,
tagte Wolf: „Mach, daß du weg kommst, ich spreche nicht mit
Juden." AIs der Arbeiter sich nicht abweisen ließ, kam Steiger
Wolf aus der Steigerstube, packte den Arbeiter an der Brust und
stieß ihn zurück. In einem anderen Falle kam, ein russischer
Arbeiter, nachdem er 24 Schichten verfahren hatte, zu dem Betriebsführer
und bat diesen um Vorschuß. Anstatt Vorschuß zu
geben, steckte der Betriebsführer den Arbeiter zur Tür hinaus
und trat mit dem Fuß nach ihm.
Auch wird, wie eingangs erwähnt, über ungenügende Beköstigung
geklagt. So sollen die russischen Arbeiter in letzter