Ansprache an Arbeiter.
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lächeln; ich selbst sagte zu Thomson: „Sie setzen mich' in Er
staunen, Herr Thomson. Ich verstehe ja nichts vom Maschinen
wesen.“ Eben deshalb will ich — so lautete seine Antwort
daß sie die Oberaufsicht übernehmen, denn ich habe noch niemals
einen Mechaniker mit richtigem Urteil und gesundem Menschen
verstand gefunden. Das war noch vor Hauptmann Jones Zeit.
Er konnte also damit den Hauptmann nicht meinen. Die Ursache
dieses Mangels an richtigem Urteil ist der Mangel an allgemeiner
Bildung bei den Mechanikern. Ich meine die Kenntnis von Sachen
und Dingen, von denen wir umgeben sind und mit denen wir
tagtäglich zu tun haben. Der beispiellose Aufschwung, den die
Entwicklung der Bessemer Werke in diesem Lande genommen,
hat darin seine vorzüglichste Ursache, daß — ungleich der übrigen
Eisenindustrie — diese Werke in die Hände von Männern von
großer wissenschaftlicher Bildung kamen. Die von diesen Männern
geleisteten Dienste sind von der ganzen Welt anerkannt worden;
ihnen wurde dafür ein Lohn zuteil, der vor wenigen Jahren noch
als ungeheuerlich erschienen wäre; sie haben die mechanische
Arbeit wieder gehoben und so dazu beigetragen, daß diese in
den Augen der Welt wieder gewürdigt wurde. „Mechaniker,
mechanische Ingenieure, Leiter von Stahlwerken“, diese Worte
gelten jetzt als Ehrentitel. Wenn Sie Arbeit zu dem machen wollen,
was sie sein sollte, dann bilden Sie sich weiter fort durch Er
werbung nützlicher Kenntnisse. Das ist die Lehre, die ich nach-
drücklichst betonen möchte. Streben Sie nach Kenntnissen, damit
Sie erfahren, was die Welt getan hat und tut, und was der Gang
der Dinge ist.
Der Wert der Bildung, die junge Leute heute erlangen, darf
nicht überschätzt werden; ganz besonders möchte ich auf die in
den technischen Schulen erlangte Bildung hinweisen. Es gab eine
Zeit, in der die menschliche Wissenschaft so gering war, daß es
einem jungen Manne leicht wurde, alles zu umfassen. Die Lehr
kurse unserer akademischen Schulen geben einen gründlichen Be
weis für diese Tatsache. Heutzutage ist die Wissenschaft so
verzweigt, so ausgedehnt und so genau, daß es für den einzelnen
unmöglich geworden, mehr als ein kleines Gebiet zu kennen.
Unser Zeitalter ist das Zeitalter der Spezialisten; deshalb sollten