Full text : Leben und Lehre des Buddha

Die  vier  edlen  Wahrheiten.

63

Leid;  woher  käme  ihm  Furcht?  Aus  Liebe  wird  Leid  geboren,
aus  Liebe  wird  Furcht  geboren.  Wer  von  der  Liebe  erlöst  ist,  für
den  gibt  es  kein  Leid;  woher  käme  ihm  Furcht?"  Immer  von
neuem  wird  eingeschärft,  daß  der  Tod  allen  Freuden  ein  Ende
macht,  und  daß  niemand  ihm  entrinnen  kann.  „Nicht  im  Luftraum, ­
  nicht  in  des  Meeres  Mitte,  nicht  wenn  du  in  Felsenhöhlen
eindringst,  findest  du  auf  Erden  eine  Stätte,  wo  dich  der  Tod
nicht  überwältigt."  Derartige  Aussprüche  sind  unzählbar.  Durch
die  Vergänglichkeit  der  Dinge  wollte  Buddha  vor  allem  ihre  Wertund
  Nutzlosigkeit  beweisen.
Die  zweite  edle  Wahrheit  handelt  von  der  Entstehung  des  Leidens. ­
  Die  Predigt  von  Benares  sagt  darüber:  „Dies,  ihr  Mönche,
ist  die  edle  Warheit  von  der  Entstehung  des  Leidens:  Es  ist  dieser
Durst,  der  die  Wiedergeburt  bewirkt,  der  von  Freude  und  Verlangen ­
  begleitet  ist,  der  hier  und  dort  seine  Freude  findet,  wie
der  Durst  nach  Lüsten,  der  Durst  nach  (ewigem)  Leben,  der  Durst
nach  (ewigem)  Tode."  Unter  „Durst"  (llftsyä,  Pali  Tanha)  versteht ­
  Buddha  die  Lebenslust,  den  Willen  zum  Leben,  die  Bejahung
des  Willens  zum  Leben.  Im  SuttanipZta  heißt  es:  „Alles  Leid,
das  entsteht,  kommt  aus  dem  Durste,  aber  durch  völlige  Vernichtung ­
  des  Durstes,  durch  Freisein  von  Leidenschaft,  kann  kein  Leid
entstehen.  Ein  Mann,  der  von  Durst  begleitet,  lange  auf  den
Wegen  der  Seelenwanderung  umherirrt,  wird  von  der  Seelenwanderung ­
  nicht  befreit".  Und  das  Dhammapada  sagt:  „Wen  in
der  Welt  dieser  schlimme  Durst  bewältigt,  der  giftige,  dessen  Leid
wächst,  wie  das  wuchernde  Liraya-Gras.  Wer  in  der  Welt  den
schlimmen  Durst  bezwingt,  den  schwer  zu  bewältigenden,  von  dem
fällt  das  Leid  ab,  wie  ein  Wassertropfen  von  einem  Lotosblatt.
Wie  ein  Baum,  auch  wenn  er  gefällt  ist,  wieder  wächst,  wenn
seine  Wurzel  unverletzt  ist,  so  kehrt  auch  das  Leiden  immer  von
neuem  wieder,  wenn  nicht  der  Durst  und  das  Verlangen  vernichtet ­
  sind.  Menschen,  von  Durst  getrieben,  rennen  umher  wie
ein  Hase  in  Schlingen.  In  Fesseln  und  Banden  geschlagen,  erdulden ­
  sie  lange  Zeit  Leid,  wieder  und  wieder.  Der  Tor  vernichtet
sich  durch  seinen  Durst  nach  Vergnügungen,  als  wenn  er  sein
eigener  Feind  wäre."
Dem  Volke  gegenüber  genügte  es,  die  Tatsache  festzustellen,
daß  der  Durst  vorhanden  und  die  Ursache  des  Leidens  sei.  Das
ließ  sich  ja  leicht  an  Beispielen  des  täglichen  Lebens  zeigen.  Dem
Eingeweihten  aber  mußten  sich  notwendig  die  Fragen  aufdrängen:
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.