D. Ricardo,
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tung zieht, So kann man doch nur mit grösster Künstlichkeit
zus A. Smith ein System der Ethik und Politik ableiten, das
wirklich im bewussten Gegensatz zum Manchesterthum stände,
ınd ‚welches die Ableitung manchesterlicher Ansichten aus
nem Theile der A. Smith’schen Sätze unmöglich machte.
Jedenfalls verfiel er dem Individualismus in so vielen
Lehren, jedenfalls ist die praktische Tendenz seines Buchs so
vorwiegend auf Beförderung der wirthschaftlichen Freiheit ge-
richtet, dass er der Entwicklung des Manchesterthums dienen
musste. Und so stehen doch Bentham und Smith zugleich
als Führer jener Bewegungen da, die den Staat zu Gunsten
zocialer Interessen aufzulösen trachten, wenn auch die un-
‘nteressirte Wahrheitsliebe und unbedingte Hingabe Beider
an das Gesammtwohl, wenn auch der vorurtheilsfreie weite
Blick von A. Smith insbesondere die Werke dieser Führer
vanz unendlich lehrreicher erscheinen lässt. als die Schriften
der Epigonen.
Adam Smith hat noch bei seinen Lebzeiten in England
ınd auf dem Continent nicht nur Anerkennung und Bewun-
derung gefunden — es wurden auch seine Ansichten in der
theoretischen Literatur sehr bald unbedingt die herrschenden.
Nachfolger, die das von ihm geschaffene System der Volks-
wirthschaftslehre in einigermaassen origineller Weise weiter
entwickelten, fand er in England in den ersten Decennien nach
Erscheinen seines Wealth of Nations nicht. Erst gegen Ende
des vorigen Jahrhunderts trat Malthus auf. im Anfange un-
zeres Jahrhunderts Ricardo,
Nur diese zwei Schriftsteller können hier bei Betrachtung
der classischen Nationalökonomie noch besprochen werden,
la es sich ja um keine Literaturgeschichte, sondern nur um
eine Geschichte der Entwicklung der nationalökonomischen
fAnkean hei den maassgehendsten Autoren handelt.
& 9, David Ricardo.
Ricardo’s Schriften haben so stark und direct auf Theorie
and Praxis gewirkt. dass dieselhen sogar den Einfluss von
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