Full text: Zur Geschichte und Theorie des Bergregals und der Bergbaufreiheit

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Die breves notitiae bei Hund erklären dies noch deutlicher; 
similiter tradidit ad eandem sedem (Salzburg)... in loco qui dicitur 
ad salinas, fornacium (Öfen) loca XX. cum patellis (Pfannen) et 
servitoribus suis et tertiam partem de illo puteo, quo sal efficitur 
et decimam partem de theloneo, qui ibi in Dominicum tollitur, et 
tertiam decimam de sale. 
Hiernach dürfte der Ansicht Johann Georg Lori’s 1 kaum zu 
widersprechen sein, daß die Bayernherzöge oder Bayernkönige, wie 
sie auch genannt werden, aus dem Hause der Agilolfinger sich in 
die Rechte der Römischen Kaiser nach Beendigung der Römerherr 
schaft eingesetzt haben. Wie von den Römern in ihren Bergwerken 
die unterworfenen Völkerschaften wider ihren Willen vielfach beschäftigt 
wurden, so sind auch viele Germanen zwangsweise zu Bergleuten heran 
gebildet worden. Es kann deshalb nicht weiter auffallen, wenn im 12. 
und 13. Jahrhunderte, also über tausend Jahre, nachdem die Germanen 
von den Römern Bergbau erlernt hatten, einzelne unmittelbar bei der Arbeit 
vorkommende Gegenstände, zumal in Urkunden, welches, wie die Triden- 
tiner und Kuttenburger Bergordnung, an deutsche Bergarbeiter gerichtet 
sind, mit deutschen Ausdrücken bezeichnet werden. Auch aus dem 
Worte guercus, welche in der aus dem 13. Jahrhunderte herrührenden 
massitanischen Bergordnung vorkommt, läßt sich meines Ermessens 
kein Schluß auf den rein deutschen Ursprung ihres Inhalts ziehen. 
Im 12. Jahrhundert waren deutsche Bergleute nach Toskana gezogen, 
und diese wurden als „guerci“, Gewerken, bezeichnet 1 2 . Wie im späteren 
Mittelalter die Deutschen als die besten Bergleute galten und wegen 
ihrer Bergbaukunde neben ungarischen und polnischen Bergarbeitern 
überallhin gezogen wurden, so war dies noch im 7. und 8. Jahrhundert 
bei dem thrakischen Volksstamme der Bessi der Fall 3 . Die Bessi werden 
von den Scintilla als die Ausüber der Bergbaufreiheit bezeichnet. Will 
man aber diese als die Urheber der Berggewohnheiten und Berggesetze 
hinstellen ? 
Wird man nach Vorstehendem zugestehen können, daß die Germanen 
1 Einleitung §§ 1, 2. 
2 Klostermann, Kommentar, 4. Aufl. S. 31. Alle mittelalterlichen Statuten 
Italiens, z. B. von Novara, Iglesias, Massa, Trient, Brescia, Ardese, Valle Scalve, 
Rosa haben übrigens Bergregal und als dessen Folge die Bergbaufreiheit; Villa- 
nueva p. 268, 269. Abignente 1. c. Die massitanische Bergverfassung dürfte inhalt 
lich ebenso wie die für Elba schon etwa 1000 Jahre vor Christus gegolten haben. 
8 Bluhme, Zeitschrift für Bergrecht Bd. 2 S. 49 ff. und die dort angezogenen 
Quellen.
	        
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