Object : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

mit  den  Franzosen  äußerlich  gute  Beziehungen  unterhielt,  daß
nunmehr  der  Zeitpunkt  gekommen  sei,  wo  er  es  wagen  dürfe,
sich  im  Interesse  des  Kurfürsten  direkt  bei  Napoleon  zu  verwenden,
und  daß  er  einen  entsprechenden  Antrag  von  jener  Seite  erwarte.
Diesen  Auftrag  unterschlug  aber  Wittgenstein  dem  Kurfürsten  und
hatte  auch  noch  die  Schamlosigkeit,  sich  bei  seinem  König  mit
diesem  Verhalten  zu  brüsten 175 .  Der  Erfolg  wäre  natürlich  auch
ohne  das  ausgeblieben,  aber  der  Kurfürst  war  damit  noch  lange
nicht  genügend  ernüchtert,  um  zu  einer  klaren  Beurteilung  seiner
Lage  durchzudringen.  Wie  er  im  Sommer  1806  durch  seine
schwankende  Unentschlossenheit  das  Schicksal  seines  Landes  verschuldet ­
  hatte,  so  blieb  er  auch  jetzt  töricht  genug,  um  bald  auf
französischer,  bald  auf  englischer  Seite  oder  sonstwo  Fühlung  und
Unterstützung  zu  suchen.  Einen  einzigen  Weg  betreten,  diesen
aber  mit  allen  Mitteln  und  mit  zäher  Ausdauer  verfolgen,  war  nicht
seine  Sache.
Jene  Aktion  mit  Bourienne  war  aussichtslos  und  hätte  nicht
unternommen  werden  sollen.  Sie  war  aber  auch  eigentlich  noch
gar  nicht  zu  Ende  geführt,  als  der  Kurfürst  zu  einem  kostspieligen
und  ebenfalls  aussichtslosen  Unternehmen  nach  anderer  Richtung
schritt  und  sich  dabei  wiederum  des  Höflings  Wittgenstein  bediente 176 .
In  seinem  Notizbuch  schreibt  er  über  diese  im  übrigen  nicht  ganz
aufgeklärte  Sache:  „Im  April  1807  wurde  Fürst  Wittgenstein  nach
London  gesandt  [um  für  die  Wiedererlangung  Kurhessens  zu
wirken],  und  da  er  im  April  zu  früh  herausgekommen,  durch  Versicherung ­
  des  ihm  vorher  abgeschlagenen  Plettenbergschen  Anlehens
ä  310  000  Tlr.  vermocht,  wieder  zu  retournieren  und  vorher  nach
Rußland  zu  reisen.  Sobald  er  die  310  000  Tlr.  gezogen  hatte,  zog
er  sich  heraus  und  hat  noch  keinen  Heller  Zinsen  gezahlt.“  Es
war  dies  eines  derjenigen  Geschäfte,  die  Lennep  übertragen  waren,
und  der  hatte  regelmäßig  Pech.  Wittgenstein  hatte  schon  früher
100  000  Tlr.  auf  jenes  Anlehen  erhalten,  und  erhielt  jetzt  einen
neuen  Vorschuß  von  210  000  Tlrn.  Es  geschah  dies  durch  Hergäbe ­
  von  Obligationen,  die  vorzugsweise  durch  Meyer  Amschel
Rothschilds  Hand,  zum  kleinen  Teil  auch  durch  Goldschmidts  und
Michel  Simons  Hand  gingen.  Wittgenstein  hatte  ausdrücklich
gewünscht,  daß  sein  Antrag  in  der  Plettenbergschen  Angelegenheit
nicht  Buderus,  sondern  Lennep  zur  Begutachtung  vorgelegt  werde,
denn  Buderus  durchschaute  den  Mann  schon  lange  und  wurde
            
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