Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

3. Die Goldproduktion der Welt am Ende des 19. u. am Anfang des 20. Jahrh. 261 
von der gesamten Goldproduktion etwa 70% aus regelrechtem Bergwerksbetrieb und 
nur 30 % aus der Goldwäscherei, während 1 y 2 Jahrzehnte vorher der Bergbau gegen 
über der Wäscherei noch eine ganz untergeordnete Rolle gespielt hat. Das Verhältnis 
hat sich inzwischen noch weiter zugunsten des Bergbaus verschoben. 
Diese Wandlung ist deshalb von ganz besonderer Wichtigkeit, weil der Gang 
bergbau eine weit größere Nachhaltigkeit der Goldgewinnung gewährleistet als die 
Ausbeutung oberflächlicher Goldablagerungen. Während auch die reichsten Gold 
felder infolge der Leichtigkeit der Goldgewinnung stets in kurzer Zeit erschöpft werden, 
kann der Abbau beim Bergwerksbetriebe nur allmählich vor sich gehen. Dazu 
kommt, daß die neueren Erfahrungen gezeigt haben, daß die früher häufig vertretene 
Annahme, daß die Gänge in der Tiefe verarmen, keineswegs allgemein zutrifft, daß 
vielmehr der Abbau nach der Tiefe bei den wichtigsten Goldbergwerken so weit 
lohnend bleibt, als sich die Gänge überhaupt erstrecken. 
Das Überwiegen der bergmännischen Goldgewinnung in der neuesten Zeit hat 
die hauptsächlich von dem Wiener Geologen Eduard Sueß mit Nachdruck ver 
tretene und vielfach gläubig aufgenommene Ansicht widerlegt, daß der Goldbergbau 
aus geologischen Gründen keine Zukunft haben könne, und daß deshalb mit der Er 
schöpfung der Schwemmlande ein unaufhaltsamer Rückgang der Goldproduktion ein 
setzen müsse. Sueß ging davon aus, daß der weitaus größte Teil der Gold 
gewinnung — er berechnete diesen Teil auf nicht weniger als neun Zehntel — aus 
Alluviallagern stamme, die einen ungewöhnlich großen, aber rasch erschöpfbaren 
Goldreichtum enthalten. Je weiter unsere Kenntnis der Erdoberfläche fortschreite, 
um so geringer werde die Wahrscheinlichkeit der Entdeckung neuer und reichhaltiger 
Waschgoldlager. Der Bergbau auf Gold werde für diesen Ausfall wegen des unzu 
verlässigen und spärlichen Goldvorkommens in hartem Gestein keinen Ersatz bieten 
können; daher müsse mit Notwendigkeit ein allmähliches Versiegen der Gold 
gewinnung eintreten. 
Wenn jemals eine Theorie schlagend durch die Tatsachen widerlegt worden ist, 
dann ist der Sueß scheu Theorie eine solche Widerlegung zuteil geworden. Die 
bekannten Schwemmlande sind nahezu gänzlich erschöpft, und die Goldgewinnung ist 
beträchtlich höher als jemals zuvor. Die Fortschritte der Technik haben ein angebliches 
Naturgesetz überwunden. Mit Recht schrieb L e x i s schon vor einem Jahrzehnt über 
diese wichtige Frage: 
„Wenn früher nach Sueß neun Zehntel alles Goldes aus den Wäschereien 
stammte, so werden gegenwärtig vier Fünftel des außerhalb Sibiriens gewonnenen 
Goldes durch Quarzbergbau geliefert, und da man jetzt imstande ist, Quarz mit Vor 
teil zu verarbeiten, das nur % Unze Gold auf die Tonne enthält, und da auch das 
in Schwefelkiesen enthaltene, dem gewöhnlichen Amalgamationsverfahren nicht er 
reichbare Gold durch neue Methoden immer vollständiger extrahiert wird, so ist eine 
bedeutende und nachhaltige Goldproduktion noch auf viele Jahrzehnte, vielleicht auf 
Jahrhunderte gesichert.... Die gegenwärtige Zunahme der Produktion kann natürlich 
nicht lange fortdauern, auch wird die Entdeckung neuer reicher Fundstätten in der 
Zukunft immer seltener werden, während sich die alten allmählich erschöpfen müssen. 
Aber eine wirkliche Goldknappheit liegt in so weiter Ferne, daß sie für die wirt 
schaftlichen Fragen der Gegenwart ebensowenig in Betracht kommt wie etwa die Er 
schöpfung der Kohlenlager der Erde."
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.