Contents: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Dichtung. 
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späterer Zeit von eigentlichem Impressionismus noch nicht ge⸗ 
sprochen werden. 
Entfesselt wurde der Impressionismus der Kunsterzählung 
in Deutschland erst durch die Einwirkungen Zolas auf jüngere, 
von der früheren französischen Litteratur weniger berührte 
Geister. Litterarisch bekannt wurde dabei Zola in Deutschland 
erst seit dem „Assommoir“ (1877), um etwa 1885 mit „Germinal“ 
den Höhepunkt seines Einflusses zu erreichen. Und dieser rein 
litterarische Einfluß hat vornehmlich doch nur in Berlin gewirkt. 
Durch persönliche Beziehungen dagegen und darum viel 
kräftiger, freilich auch in viel stärkerer Umformung, wurde 
Zolas Einfluß nach Süddeutschland, und hier wieder vor⸗ 
nehmlich nach München, vermittelt. Der Träger der gegen— 
seitigen Beziehungen war hier, wie schon einmal kurz bemerkt, 
Georg Michael Conrad (geb. 1846), ein bayrischer Franke, der 
Anfang der achtziger Jahre aus Paris nach Munchen kam und 
hier mit Kirchbach wie auch Greif den Kern jener neuen litte⸗ 
rarischen Bestrebungen herausbildete, die sich gegen die „Epi⸗ 
gonen“ der fünfziger Jahre und vor allem gegen Heyse wandten. 
Das aber, was Conrad von Zola übernahm, war vornehmlich 
nur der unbedingte Wirklichkeitssinn und der Fanatismus der 
Wahrhaftigkeit; im übrigen war er feurig, zufassend, ja zu— 
fahrend, und darum schon durch sein Temperament von Zola 
um Welten geschieden. 
Conrad hat mit seinem Roman „Was die Isar rauscht“ 
(1887; zweiter Teil „Die klugen Jungfrauen“ 1889) in Süd— 
deutschland den ersten Versuch eines impressionistischen Romans 
gemacht. Es ist ein Roman des „Nebeneinander“ im Sinne 
Gutzkows. Aber nicht ein Vollbild der Welt wird gegeben, 
sondern nur ein Stadtbild des Münchener Lebens, und auch in 
diesem engeren Rahmen tritt eigentlich nur die Bier- und 
Kunststadt hervor. Dazu welch diffuser Charakter der ein⸗ 
zelnen Teile! Nicht eigentlich von einem Gemälde, nur von 
einer Bilder- oder richtiger Skizzengalerie kann man reden, 
deren einzelne Teile lose durch das Motiv des Rauschens der 
Isar, das fast in jede Schilderung hineintönt, zusammen—
	        
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