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I. Geschichte und Entwicklung des Kartellwesens.
Industrie ist, hat man viele Mittel versucht, um ihr zu
steuern, die verschiedensten 'Methoden angewandt, um Angebot
und Nachfrage in das richtige Verhältnis zu einander
zu bringen. Die Fabrikanten einer bestimmten Industriegruppe
gingen die Verpflichtung ein, ihre Anlagen innerhalb
der Produktion zu erhalten, denn je größer seine Produktion,
desto größer sein Gewinn, und es ist bekannt, daß die
Verteilung- der Kontingente zu den weitläufigsten Auseinandersetzungen
führt, aber in letzter Stunde einigten
sich die Gegner doch, wohlwissend, daß der Konkurrenzkampf
mit seinen Schrecken von neuem beginnt, wenn die
Einigung scheitert 1 ).
Gegen diese Aufteilung des Absatzes werden von denjenigen
Einwendungen erhoben, deren Produktion sich noch
in bescheidenen Grenzen hält, sie fürchten durch ein Kartell,
das den Markt unter seine Mitglieder aufteilt, daß der einzelne
sich auf Kosten der andern bereichert. An Stelle des
Kampfes soll die planmäßige Entwicklung, der Friede mit
all seinen segensreichen Folgen treten. Fügt sich der einzelne
nicht, so kann er zum Störer des Kartells werden, denn die
Kartellmitglieder können nicht ruhig Zusehen, wie ein Außenstehender
seine Fabrikanlagen auf ihre Kosten vergrößert,
aber der Outsider muß sich auch vergegenwärtigen, daß er
durch sein Fernbleiben den Konkurrenzkampf mit all seinen
Nachteilen heraufbeschwört.
So wie der Staat bestrebt ist, die Konkurrenz des Auslandes
zu beseitigen, indem er Schutzzölle auf die zum Import
gelangenden Waren legt, so ist es Aufgabe der Kartelle,
die verderbliche Konkurrenz der Produzenten untereinander
— zwar nicht selten ein Nutzen für die Konsumenten, aber
dennoch ein ungesunder Zustand — auf dem inneren Warenmärkte
zu beseitigen, und die Erfahrung hat gelehrt, daß
dieses Ziel in vielen Fällen erreicht worden ist. Diejenigen
Industrien gedeihen und blühen, in denen Kartelle bestehen.
Das prophetische Wort Prudhommes ist zur Wirklichkeit
J ) Die höchstentwickelte Kartellform, das Syndikat, ist vor allem
auf dem Grundsätze der Kontingentierung aufgebaut und erachtet es als
seine oberste Aufgabe, Angebot und Nachfrage mit einander in Einklang
zu bringen.