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II. Allgemeine sozialpolitische Bedeutung der Kartelle.
rührende Bestimmungen fort, um gelegentlich erklären zü
können: „Seht unsere Statuten nur durch, mit Arbeiterfragen
beschäftigen wir uns nicht !“ Wenn man sich dann
aber wie das Kohlensyndikat eines Arbeitgeberverbandes bedient,
oder aber auch wie oben erwiesen, direkt auf die
Arbeiterverhältnisse einwirkt, beschäftigt man sich doch damit.
Schenkt man aber den Ausführungen Qötzkes Glauben
— man kann wohl annehmen, daß Götzke mit authentischem
Material gearbeitet hat — so könnte man zu dem Ergebnis
kommen, daß die Vertreter des Kohlensyndikates in den Verhandlungen
vor dem Reichsamt des Innern den tatsächlichen
Verhältnissen nicht genügend Rechnung getragen haben.
Zur Bestätigung dessen, daß die Kartellorganisation sehr
wohl geeignet ist, Arbeiterfragen zu erledigen, möge ferner
die Ansicht Zöllners 1 ) dienen, die er in seiner Monographie
„Eisenindustrie und Stahlwerksverband“ äußert: „Durch das
häufige Zusammenkommen im Verbände, das Zusammenarbeiten
nach großen gemeinsamen Gesichtspunkten und
durch den urteilklärenden Meinungsaustausch werden manche
Stahlwerksbesitzer auf die Dauer ganz von selbst auch in
der Behandlung der Arbeiterfrage dieses oder jenes Vorurteil
abstreifen und so mit der Zeit dazu kommen, das
kleinliche Festhalten an veralteten und patriarchalischen Ansichten
und Gepflogenheiten aufzugeben und modernen Anschauungen
Raum zu geben.“ Und weiter führt Zöllner an,
„daß der Einfluß obigen Zusammenarbeitens im Verbände
sich aus psychologischen und wirtschaftlichen Gründen nach
jener ausgleichenden Richtung hin geltend machen wird z.
B. wegen des Arbeitsvertragsverhältnisses usw.“ An anderer
Stelle führt dann Zöllner 2 ) einen Fall an, der wohl sehr leicht
praktisch werden könnte: „Bei Betriebsstörungen tritt ein
Werk für das andere ein . . . Dies gilt natürlich nicht nur
für technische oder ähnliche Störungen, sondern auch für
Streiks, wie denn überhaupt die Macht und Widerstandsfähigkeit
der Stahlwerksbesitzer, sowie auch ihr Solidaritätsgefühl
durch die Kartellierung entschieden gewachsen ist.“
Dieses Solidaritätsgefühl der Unternehmer, das Zöllner hier
*) Zöllner, Eisenindustrie und Stahlwerksverband, p. 170.
2 ) Ibid., p. 112.