Full text : Kartelle und Arbeiter

III.  Kartell  und  Konjunktur.

Man  mag  dieser  Auffassung  zustimmen  oder  nicht,  eins
wird  man  zugeben  müssen:  Konjunktur  und  Spekulation
konnten  sich  nur  auf  dem  Boden  der  kapitalistischen  Gesellschaftsordnung ­
  oder  richtiger  noch  gesagt,  durch  Bildung
der  Tauschwirtschaft  entwickeln 1 ).  Eine  Wertveränderung
durch  Naturereignisse,  fortschreitende  Technik  und  derartige
Momente  herbeigeführt,  hätte  im  Rahmen  einer  nicht  kapitalistischen ­
  Ordnung  der  Dinge  kaum  eine  so  einschneidende
Wirkung  angenommen,  wie  man  sie  heute  beobachtet  und
andere  Momente,  die  einen  Wechsel  der  Konjunktur  verursachen, ­
  wie  die  Überproduktion,  sind  eben  auf  ein  spekulatives ­
  Eingreifen  in  einen  Produktionsprozeß  zurückzuführen,
das  bei  einer  zentralisierten  Leitung  und  einer  späteren,  ebenfalls ­
  zentralisierten  Distribution,  nahezu  ausgeschlossen  wäre.
Eine  solche  zentralisierte  Leitung  der  Produktion  herbeizuführen, ­
  einer  Überproduktion  vorzubeugen,  das  spekulative
Eingreifen  bei  Verwertung  der  Produktion,  also  den  Handel,
zur  ungefährlichen  Vermittlung  herabzumindern,  das  alles
liegt  aber  in  der  Absicht  der  Kartelle.
Die  Ausnutzung  von  Wertveränderungen  nun,  die  Spekulation, ­
  oder  gar  ein  künstliches  Herbeiführen  von  Wertveränderungen ­
  zum  Zweck  spekulativer  Ausnutzung,  kann
nur  durch  den  erfolgen,  der  im  Besitz  von  Kapital  oder  mindestens ­
  Kredit  ist.  Ohne  Kapital  oder  Kredit  ist  kaum  ein
Gewinn  aus  den  Schwankungen  der  Konjunktur  möglich  und
so  bleibt  die  Teilnahme  an  den  großen  Konjunkturgewinnen
hauptsächlich  nur  auf  einen  verhältnismäßig  kleinen  Kreis
beschränkt,  während  sich  die  schädlichen  Folgen  einer
schlechten  Konjunktur  und  einer  übermäßigen  oder  gewissenlosen ­
  Spekulation  bei  den  breitesten  Schichten  der  Bevölkerung, ­
  Arbeitern  (durch  Arbeitseinschränkung,  Entlassung,
Lohnherabsetzung),  Gewerbetreibenden  und  Konsumenten,
am  meisten  fühlbar  machen.  Gewiß  haben  die  Spekulierenden
selbst  häufig  unter  den  Folgen  ihrer  unvorsichtigen  Manipulationen ­
  zu  leiden;  aber  sie  leiden  dann  unter  dem,  was
sie  selbst  veranlaßt  haben,  während  alle  anderen,  auf  die
sich  der  Schaden  fortpflanzt,  unter  dem  leiden,  was  sie
nicht  getan  haben.

2 )  Vgl.  hierüber  das  Sehnlichen  von  Clara  Linzen-Ernst,  Konjunktur ­
  und  Sozialismus,  p.  3.
            
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