Full text : Kartelle und Arbeiter

III.  Kartell  und  Konjunktur.

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Die  erschütternden  Stöße  geschäftlichen  Niederganges
fallen  mit  voller  Wucht  auf  jene,  deren  einziges  Kapital  die
nun  überflüssig  gewordene  oder  geringer  bewertete  Arbeitskraft ­
  ist.  Hinter  geringerem  Verdienst  oder  gar  Arbeitslosigkeit ­
  aber  lauert  die  ständige  Sorge  der  kleineren  Handwerker ­
  und  Handeltreibenden,  die  von  der  Kundschaft  aus
Arbeiterkreisen  abhängen.  Anderwärts  wirkt  eine  Periode
geschäftlichen  Aufschwunges,  gesteigerter  Produktion  auch
wiederum  günstig  auf  die  Masse  des  Volkes  ein,  besonders  auf
die  Arbeiterschaft,  deren  Löhne  in  Zeiten  besonderer  Prosperität ­
  steigen.  Die  Nachfrage  nach  Arbeitskräften  steigt,  aber
auch  das  Angebot  wächst,  jeder  nur  Erwerbsfähige  wird  eingereiht. ­
  Die  höheren  Löhne  locken  die  Arbeiter  aus  wirtschaftlich ­
  weniger  begünstigten  Gegenden  herbei,  die,  an  eine
niedrigere  Lebenshaltung  gewöhnt,  zu  niedrigeren  Löhnen
arbeiten,  wodurch  der  Lohn  wieder  gedrückt  wird.  Hat
aber  die  steigende  Konjunktur  die  Unternehmer  zu  einer  maßlos ­
  gesteigerten  Produktion  verleitet,  so  zieht  die  Überproduktion ­
  unweigerlich  ein  rapides  Fallen  der  Löhne  und
Arbeitslosigkeit  nach  sich.
In  Zeiten  tiefer  geschäftlicher  Depression  ist  es  aber
wiederum  der  Wagemut,  die  Spekulation,  die  befruchtend
wirkt  und  zu  neuer  Tätigkeit  anregt;  unter  den  gegebenen
Produktionsverhältnissen,  die  selbstverständlich  ihre  historische ­
  Berechtigung  haben,  ist  sie  durchaus  unentbehrlich.
Nicht  immer  aber  sind  es  „unwißbare  Umstände“,  auf  die
sie  ihre  Berechnungen  baut.  Je  mehr  aber  unsere  ganzen
wirtschaftlichen  Unternehmungen  das  Bestreben  haben,  sich
zu  zentralisieren,  Kartelle  und  Syndikate  zu  bilden,  um  so
mehr  wird  die  Sicherheit  der  Berechnung,  wenigstens  für
jene  Großunternehmer  und  Riesenaktiengesellschaften  zunehmen. ­
  Je  ferner  ab  diesen  großen  Lebenszentren  der  Industrie ­
  und  des  Handels,  um  so  unsicherer  wird  die  Berechnung. ­
  Da  beginnt  eben  Lassalles  „metaphysches  Raten“,
das  schon  so  manches  Unheil  angerichtet  hat.  Ob  dieses
fortschreitende,  unaufhaltsame  Zentralisieren  der  nationalen
Produktion  zum  Segen  gereicht,  wird  allerdings  noch  hier
und  da  bezweifelt.  Viele  mögen  sich  dem  Urteil  einer  größeren ­
  freisinnigen  Zeitung  anschließen,  die  in  ihrem  Handelsteil ­
  schrieb:  „Die  Trusts  sind  noch  hassenswerter  als  die
            
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