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III. Kartell und Konjunktur.
vermindert, — das Kartell wird für seine Mitglieder eine Art
„Versicherungsanstalt auf Gegenseitigkeit“, — andererseits
aber zu einer geregelteren dauernderen Beschäftigung der
Arbeiter führt, als dies bei freier Produktionsentfaltung in
der Regel der Fall zu sein pflegt.
Aber auch theoretisch leuchtet es von vornherein ein,
daß einer Vereinigung mehrerer Unternehmer eine größere
Widerstandskraft gegenüber feindlichen Einflüssen innewohnt,
als einem einzelnen. „Das Kartellverhältnis, welches
eine bestimmte Gleichmäßigkeit der Konjunktur für einen
gewissen Zeitraum verbürgt 1 )“ dürfte daher dem einzelnen
Betrieb einen Halt und eine Stärke bieten. Brentano 1 2 ) bezeichnet
die Kartelle als „Fallschirme, deren sich die zu
hoch geflogene Produktion bediente, um wieder auf festen
Boden zu gelangen“ und hat sie sogar eine Art „Krisen-Versicherungsanstalt“
genannt, dem sich auch Liefmann 3 )
anschließt, indem er sagt, daß ein wohlorganisiertes festgeschlossenes
Kartell eine gewisse Versicherung gegen die
Gefahr der Konjunkturschwankungen bedeutet. Ebenso
äußert sich Conrad 4 ) dahin, „daß gut geleitete Kartelle unzweifelhaft
Krisen zu mildern vermögen, indem sie rechtzeitig
auf eine Einschränkung der Produktion hinwirken, sobald
sich Anzeichen einer Überproduktion bemerkbar
machen“.
Trotz dieser anscheinend so nahe liegenden theoretischen
Erwägungen, welche wesentlich zugunsten der Kartellwirkungen
bei Krisen sprechen, gehen die Ansichten über
die praktischen Erfahrungen bei dem Verhalten der Kartelle
recht erheblich auseinander. Pohle 5 ) steht wohl ziemlich
vereinzelt da mit seiner Ansicht, daß Kartelle zu ihrer
Existenz sogar eine stabile Wirtschaftslage erfordern, indem
er erklärt, „Kartelle können nur da gedeihen, wo der
scharfe Wind starken Konjunkturwechsels nicht weht . . .“
Die ganze Entwicklungsgeschichte der Kartelle aber lehrt
doch, daß gerade Konjunkturwechsel, Konkurrenz und Über-1
) Landesberger, p. 329.
2 ) Brentano, Über die Ursachen der heutigen sozialen Not.
8 ) Liefmann, Kartelle und Trusts, p. 55.
4 ) Conrad I, 1905, p. 269.
6 ) Pohle, Die Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens im
19. Jahrhundert, II. Auflage, p. 94.