Full text : Kartelle und Arbeiter

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III.  Kartell  und  Konjunktur.

Jung  der  Produktion  möglich  wäre.  Die  Krisen  sind  also
nicht  gekommen,  obwohl  wir  Kartelle  hatten,  sondern,  weil
wir  noch  nicht  genügend  organisierte  Kartelle  hatten.  Wie
noch  bewiesen  werden  wird,  haben  denn  auch  die  bereits  bestehenden ­
  Kartelle  in  der  gegenwärtigen  Krisis  (1908/09)
eine  gewisse  abschwächende  Wirkung  ausgeübt.  Die  Behauptung ­
  läßt  sich  daher  wohl  aufrecht  erhalten,  daß  Kartelle, ­
  wenn  sie  eine  geschlossene  Organisation  besitzen  ,  durch
die  sie  die  Produktion  übersehen  können,  wenn  sie  ferner
mit  umfangreichen  Statistiken  arbeiten  und  aus  dem  statistischen ­
  Material  die  richtigen  Schlüsse  ziehen,  eine  gewisse
Stetigkeit  in  der  Produktion  herbeiführen  müssen  und  dadurch ­
  Krisen  mildern  können.  Dieser  Umstand  sollte  uns
zu  Freunden  der  Kartelle  machen;  wäre  es  doch  ein  höchst
erstrebenswerter  Idealzustand,  wenn  die  Produktion  so  geregelt ­
  wäre,  daß  nirgends  mehr  Waren  produziert  werden,
als  abgesetzt  werden  können  und  dadurch  der  Arbeiterschaft
eine  regelmäßige  Arbeitsgelegenheit  geschaffen  würde.
Eine  entgegengesetzte  Anschauung  vertritt  May,  der  die
Kartelle  als  Regler  der  Produktion  in  dem  Sinne  der  Beschränkung ­
  einer  zu  großen  Produktion  für  schädlich  und
das  Heil  in  einer  Einschränkung  des  Unternehmergewinnes
sieht.  Es  heißt  bei  ihm 1 ):  „Nichts  ist  der  Wirtschaft  schädlicher, ­
  als  eine  Bremse  der  Produktionsmaschine.  Dahin  aber
führt  das  Märchen  von  der  Überproduktion.  (Überproduktion
im  Sinne  einer  zu  großen  Produktion  M.)  Was  sie  braucht,
ist  eine  Bremse  des  Unternehmergewinnes.  Solche  wird  ja
durch  die  „Überproduktion“  selbsttätig  ausgelöst  —  soweit
nicht  Kartelle  und  Syndikate  durch  eine  Hemmung  die  Auslösung ­
  verhindern.  In  übertriebenem  Unternehmergewinn  hat
man  bisher  immer  nur  den  Schaden  des  Konsumenten  gesehen, ­
  nicht  aber  die  Ursache  der  Überproduktion  und  der
Arbeitslosigkeit“.  Schließlich  sieht  May 2 )  „die  großen  deutschen ­
  Wirtschaftskrisen  im  letzten  Drittel  des  19.  Jahrhunderts ­
  hervorgehen  aus  einer  ungeheuren  Steigerung  der  Preise
von  Kohlen,  Eisen  und  anderen  Metallen“.
Auch  nach  Spiethoff 3 )  müssen  die  Produktionseinsch'rän-•

J )  May,  Das  Grundgesetz  der  Wirtschaftskrisen,  p.  17.
2 )  a.  a.  O.,  p.  98.
s )  Spiethoff,  Vorbemerkungen  zu  einer  Theorie  der  Überproduktion ­
  in  Schmollers  Jahrbuch  für  Gesetzgebung  usw.  1902,  Heft  2,  p.  291.
            
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