Full text : Kartelle und Arbeiter

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111.  Kartell  und  Konjunktur.

strie  erlebt  habe,  vermieden  worden  seien.  In  der  Preisbildung ­
  der  Kartelle  sieht  er  kein  wesentlich  krisenförderndes
Element.  Er  glaubt,  daß  der  Ausspruch  von  Kirdorf  richtig
sei,  als  dieser  sagte,  wenn  die  Kartelle  die  Preise  in  der
Montanindustrie  nicht  gehalten  hätten,  diese  Industrie  einen
Zusammenbruch  und  eine  Krisis  erlitten  haben  würde,  wie
sie  noch  niemals  im  Wirtschaftsleben  vorhanden  gewesen
sei.  Das  würde  aber  nach  Sombart  ein  mindestens  ebenso
schwerwiegender  Schaden  gewesen  sein  als  die  Verlängerung
eines  Absterbeprozesses,  der  bei  einem  Nachlassen  der  Kohlenpreise ­
  eingetreten  wäre.  Wahrscheinlich  wären  dann  noch
Bestellungen,  die  auf  Verarbeitung  von  Kohle  und  Eisen  beruhten, ­
  eingelaufen,  aber  eine  schließliche  Überfüllung  des
Marktes  würde  doch  nicht  verhindert  worden  sein.  Diese  Verlängerung ­
  des  Sterbeprozesses  würde  aber  mit  einem  außerordentlich ­
  hohen  Preise  erkauft  sein,  nämlich  mit  dem
raschen  Niederbruch  der  Montan-  und  Eisenindustrie.  Die
Wirkung  der  Preispolitik  der  Kartelle  faßt  Sombart  dahin  zusammen, ­
  daß  durch  sie  die  Last  auf  andere  Schultern  geschoben ­
  [worden  sei;  „Die  Kartelle  der  Rohstoffindustrie
haben  es  ermöglicht,  die  ungünstige  Konjunktur  von  sich  ab
auf  die  Fertigindustrien  abzuschieben/'
Hier  ist  die  Frage  aufzuwerfen,  wie  sich  die  Verhältnisse ­
  gestaltet  haben  würden,  wenn  auch  die  Fertigindustrien ­
  in  sich  fest  kartelliert  gewesen  wären.  Würde  es  in
diesem  Falle  nicht  vielleicht  möglich  gewesen  sein,  durch
ein  gegenseitiges  Paktieren,  durch  ein  beiderseitiges  Nachgeben, ­
  Geben  und  Nehmen,  den  Niedergang  der  Konjunktur
aufzuhalten  und  auf  beiden  Seiten  gleichmäßiger  zu  verteilen, ­
  statt  nur  einen  Teil  die  Kosten  zahlen  zu  lassen?  Liegt
nicht  vielleicht  auch  ein  Teil  der  Schuld  an  der  mangelnden
oder  noch  zu  unvollständigen  Kartellierung  der  Fertigindustrie? ­

Immerhin  stellt  Sombart  fest,  daß  die  Kartelle  ihre  preishaltende ­
  Politik,  die  bei  Exportindustrien  notwendig  eine
Hinderung  des  natürlichen  Abflußweges  der  überproduzierten
Waren  bedeuten  müsse,  ergänzt  hätten  durch  Exportbonifikationen ­
  für  ausgeführte  Güter,  die  zum  Kartellpreise  erworben ­
  seien  bezw.  durch  einen  unter  den  Produktionskosten
oder  zu  dem  Produktionskostenpreise  bewirkten  Verkauf  im
            
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