Full text : Kartelle und Arbeiter

III.  Kartell  und  Konjunktur.

kungen  der  Kartelle  häufig  schädlich  wirken,  namentlich,
wenn  eine  Vermeidung  der  Preiseinbuße  durch  Verringerung
der  Produktion  erkauft  werden  soll.  Jede  Einschränkung  der
Eisenerzeugung  schwächt  aber  —  wie  Spiethoff  ausführt  —
von  neuem  die  Kauf-  und  Konsumkraft  und  ist  deshalb  ein
Grund  zur  Ausbreitung  der  Überproduktion  auf  neue  Gebiete ­
  ;  es  ist  deshalb  von  größter  Bedeutung,  daß  die  Produktion ­
  nach  Möglichkeit  aufrecht  erhalten  und  nicht  ohne
dringende  Veranlassung  verkleinert  wird.  Eine  solche  liegt
nur  vor,  wenn  auch  bei  möglichster  Preisreduktion  die  Verbrauchsfähigkeit ­
  nicht  zureicht  und  einer  Anstachelung  durch
die  vorhandenen  Mittel  unzugänglich  ist.  Es  vermag  für  den
Unternehmergewinn  vorteilhafter  zu  sein,  ein  geringeres
Quantum  zu  höheren  als  ein  größeres  Quantum,  zu  .niedrigeren
Preisen  abzusetzen,  aber  die  Überproduktion  wird  dadurch
befördert.  Die  Kartelleiter  werden  nun  im  allgemeinen  zu
Produktionseinschränkungen  neigen,  aber  sie  können  auch
zur  Aufstapelung  gezwungen  werden,  wenn  der  Zusammenhalt ­
  der  Mitglieder  ein  schwacher  ist,  und  der  Bestand  des
Kartells  in  Frage  steht.  Diese  Methode  durch  Aufspeicherung
der  Waren,  die  Preise  zu  halten,  benötigt  aber  große  Kapitalien, ­
  die  in  der  Regel  mittelst  starker  Kreditanspannung
beschafft  werden,  und  damit  ist  nach  Spiethoff 1 )  wiederum
die  Gefahr  eines  akuten  Zusammenbruchs  gegeben.  Trotzdem
glaubt  Spiethoff 1  2  3  *  * ),  daß  die  Kartelle  als  Regler  der  Produktion
„sicherlich  günstig  wirken  können,  wenn  sie  die  richtige
Politik  treiben“,  doch  steht  er  diesen  Organisationen  gerade
hierin  „etwas  skeptisch“  gegenüber.
In  seinem  Urteil  über  den  Niedergang  der  Konjunktur
um  das  Jahr  1900  ist  Sombart 8 )  der  Ansicht,  daß  die  Kartelle
eine  Ausdehnung  der  Produktion  nicht  verhindert  haben
und  daß  die  Preise  ebenso  in  die  Höhe  gegangen  seien  als
anderwärts,  wenngleich  auch  die  Preisbewegung  weniger
sprunghaft  erfolgt  sei  und  vielleicht  in  ihren  letzten  Auswucherungen, ­
  wie  man  sie  in  der  belgischen  Montanindu-1
 )  Spiethoff,  a.  a.  O.,  p.  303.
2 )  Spiethoff  a.  a.  O.,  p.  302.
3 )  Sombart  in  seinem  Referat  über  die  Störungen  im  deutschen
Wirtschaftsleben  während  der  Jahre  1900  ff.,  Schriften  des  Vereins
für  Sozialpolitik,  Bd.  113,  p.  133  ff.
            
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