Full text : Kartelle und Arbeiter

III.  Kartell  und  Konjunktur.

65

Auslande.  Dadurch  sei  die  Ausfuhr  forciert  worden  und  das
notwendige  Gleichgewicht  zwischen  Angebot  und  Nachfrage ­
  wieder  hergestellt  worden.
Von  anderen  Autoren  ist  es  ferner  Biermer 1 ),  der  ebenfalls ­
  die  Kartelle  bezüglich  ihrer  Einwirkung  auf  die  Gestaltung ­
  der  Produktion  für  wenig  förderlich  hält,  wenngleich
er  in  seiner  Anschauung  gemäßigter  ist  als  z.  B.  May.
Biermer  erhebt  den  Einwand,  daß,  wenn  erst  in  den  von  Erfindungen ­
  besonders  belebten  Industrien  die  Gewinnrate
steigt,  sämtliche  Produktionsmittel-Industrien  von  der  Ausdehnungstendenz ­
  ergriffen  werden.  Aber  hier  sei  die  Gefahr
einer  ungesunden  Vergrößerung,  die  sich  später  in  Absatzschwierigkeiten ­
  räche,  eine  besonders  große.  Der  Verbrauch
könne  eben  nicht  Schritt  halten,  die  Preishausse  schmälere
ihn,  und  hier  sei  das  Aufkommen  des  Syndikatswesens  ganz
besonders  bedenklich.  Der  natürliche  Ausgleich  zwischen
Preisgestaltung  und  Markt  werde  durch  die  Kartelle  verhindert ­
  und  verdeckt.  Sie  bestärkten  den  blinden  Glauben
an  die  Haltbarkeit  und  Dauer  des  künstlichen  Preisgebäudes.
Bei  aller  Macht,  die  diesen  Unternehmerverbänden  innewohne, ­
  seien  sie  doch  nicht  imstande,  eine  ungesunde  Produktionsausdehnung ­
  zu  verhindern  und  eine  gemäßigte  Preispolitik ­
  aufrecht  zu  erhalten.  Aber  auch  Biermer  bestreitet
die  Möglichkeit,  daß  dem  Kartellgedanken  eine  krisenverhütende ­
  Bedeutung  zukomme,  wie  dies  ja  auch  gut  orientierte ­
  Nationalökonomen  und  Kartellspezialisten  immer
wieder  behaupteten,  theoretisch  keineswegs.  Er  gibt  zu  und
kennt  sogar  selbst  Syndikate,  die  so  vorsichtig  geleitet  werden, ­
  daß  in  der  Tat  die  Marktverhältnisse  von  ihnen  in  wohltuender ­
  Weise  reguliert  werden  könnten,  freilich  nicht  selten
dadurch,  daß  man  zu  dem  fragwürdigen  Mittel  griff,  die
überschüssige  Produktion  zu  Schleuderpreisen  ins  Ausland
zu  werfen.  Doch  ist  Biermer  keineswegs  ein  grundsätzlicher
Gegner  unserer  Kartellpolitik,  vielmehr  schreibt  auch  er  etwaige ­
  Fehler  dieser  Politik  der  Ursache  zu,  daß  sie  eben
noch  viel  zu  jung  sei,  als  daß  sie  über  eine  bewährte  Tradition ­
  und  sichere  Erfahrungsgrundsätze  verfügen  könne.  Die
erste  Feuerprobe,  die  die  Syndikate  während  der  wirtschaftl ­
 )  Biermer,  Die  letzte  deutsche  Wirtschaftskrisis  und  ihre  Ursachen, ­
  p.  44  ff.
U  t  s  c  h  ,  Kartelle  und  Arbeiter

5
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.