Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes Buch. Die Begründer. 
Wachstum des Kapitals ist nicht nur das hauptsächlichste 
Mittel, sondern an verschiedenen Stellen seines Werkes erscheint es 
als das einzige Mittel, das eine Nation besitzt, um ihren Reichtum 
zu vergrößern. „Die Industrie der Nation kann sich nur in dem Maße 
vermehren, als ihr Kapital zunimmt“ sagt Smith, und „ihr Kapital 
kann nur in dem Maße zunehmen, als nach und nach etwas von 
ihrem Einkommen erspart wird 1 )“, mit anderen Worten: Das Kapital 
begrenzt die Industrie -), ein Satz, der klassisch werden sollte, und 
den die Ökonomen, bis auf Mill, Smith nachsprechen. So ist das 
Kapital der wirkliche Herrscher des volkswirtschaftlichen Lebens. Gemäß 
seines Steigens oder seines Sinkens bahnt es der Arbeit alle Wege oder 
legt sein Veto gegen jede Verbesserung ein. Selbstherrlich befruchtet 
es die Erde und die Arbeit des Menschen, oder läßt sie wüste liegen. 
Man kann die überwiegende Rolle, die Smith dem Kapital zu 
spricht, bestreiten, und das ist geschehen. Auf jeden Fall ist es recht 
merkwürdig, daß er am Anfang die Arbeit als die Grundursache des 
Reichtums zeigt, um sie nachher dem Kapital unterzuordnen. Hier 
ist aber nicht der Ort, erledigte Streitfragen wieder aufzurollen 3 ). 
Hier kommt es uns darauf an, festzustellen, daß A. Smith in der An 
sammlung von Kapitalien einen neuen Beweis für die Spontaneität 
der wirtschaftlichen Erscheinungen findet. Wenn sich das Kapital 
ansammelt, so geschieht das tatsächlich nicht infolge der kollektiven 
Voraussicht der Gesellschaft, sondern infolge der gleichzeitigen und 
zusammenwirkenden Tätigkeit von Tausenden von Individuen, die, 
beseelt von dem elementaren Wunsche, ihre Lage zu verbessern, 
selbständig zum sparen und zur produktiven Verwendung ihres Er 
sparten angehalten werden 4 ). 
eine geeignetere Teilung der Arbeit zustande kommt. In beiden Fällen ist fast 
immer neues Kapital erforderlich“. 
1 ) Völkerreiohtum II, S. 18, B. IV, Kap. II. 
2 ) „Der allgemeine Gewerbefleiß der Nation kann niemals weiter gehen, als das 
Kapital der Nation reicht“, II, S. 15, B. IV, Kap. II, wofür Stuart Mill die kurze 
Formel: „das Kapital begrenzt die Industrie“ geprägt hat. 
s ) Wir schreiben „erledigte“ — denn die heutigen Nationalökonomen sind sich 
ungefähr darüber einig, daß bei einer Anerkennung des notwendigen Zusammen 
wirkens von Kapital, Arbeit und Naturkräften in der Gütererzeugung, diese Güter 
erzeugung von der vorhandenen Menge aller dieser Faktoren, nicht eines einzigen, 
abhängt. 
4 ) A. Smith hat den Sozialisten (Eodbbrtus, Lassalle) im voraus geantwortet, 
die nicht im Sparen, sondern in der Arbeit die Quelle des Kapitals sehen, indem er 
schreibt: „Sparsamkeit, nicht Fleiß, ist die unmittelbare Ursache der Kapitalver 
mehrung. Der Fleiß schafft zwar die Sachen herbei, welche die Sparsamkeit auf 
häuft; aber so viel der Fleiß auch erwürbe, so würde doch, wenn die Sparsamkeit 
es nicht zurücklegte und sammelte, das Kapital niemals größer werden.“ Völker 
reiohtum I, S. 198, B. II, Kap. III.
	        
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