Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel II. Adam Smith. 
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gesetzte Geleise zu lenken. Die Theorie des Wertes ist übrigens 
nicht die einzige, die bei ihm diese Unbestimmtheit aulweist. Wir be 
gnügen uns hier, ohne zu genau auf Einzelheiten einzugehen, die 
Hauptpunkte der Theorie zu erwähnen, und zwar die, welche zu 
gleicher Zeit ein Verständnis ihrer wissenschaftlichen Mängel und 
ihres doppelten Einflusses auf die folgenden Lehren gestatten. 
• Smith beginnt damit, zwei Begriffe als unvereinbar hinzustellen : 
die des „Gebrauchswertes“ und die des „Tauschwertes“ 1 ). ) ( Unter 
Gebrauchswert versteht er ungefähr 2 ) das, was wir heute unter 
„Nützlichkeit“ (utilite) verstehen oder das, was andere Verfasser als 
„subjektiven Wert“, Wunschwert (desirabilite), Ophelimität be 
zeichnen. 
Wie man weiß, stützen sich heute die Nationalökonomen, um den 
Preis, den Tauschwert der Gegenstände zu erklären, gerade auf den 
Begriff des Gebrauchswertes. Die Erklärung des Tanschfußes der 
Waren gründet sich auf eine vorhergehende Analyse ihrer Nützlich 
keit für die Tauschenden. Smith geht auf andere Weise vor. Er 
gebraucht „Gebrauchswert“ nur, um ihn in radikalen Gegensatz zu 
„Tauschwert“ zu setzen, und um sich nachher nicht mehr damit ab- 
zngeben. In seinen Augen haben, die beiden Begriffe keinen Zu 
sammenhang. Nur der Tauschwert hat Interesse; noch weniger gibt 
er zu, daß der eine sich aus dem anderen ergibt 3 ). 
b Völkerreichtum I, S. 16, B. I, Kap. IV. Die Stelle ist berühmt: „Das 
Wort Wert hat — was wohl zu beachten ist — zweierlei verschiedene Bedeutung 
und drückt bald die Brauchbarkeit einer Sache, bald die durch den Besitz dieser 
Sache gegebene Möglichkeit aus, andere Güter dafür zu kaufen. Das eine kann 
Gebrauchswert (yalue in use), das andere Tauschwert (value in exchauge) 
genannt werden. Dinge, die den grüßten Gebrauchswert haben, haben oft wenig oder 
keinen Tauschwert, und umgekehrt haben andere oft den größten Tauschwert, aber 
wenig oder keinen Gebrauchswert. Nichts ist brauchbarer als Wasser, aber es läßt 
sich dafür kaum etwas kaufen: kaum etwas dafür in Tausch erhalten. Ein Diamant 
dagegen hat beinahe gar keinen Gebrauchswert, und doch ist oft eine Menge anderer 
Güter dafür im Tausch zu haben.“ 
2 ) Wir sagen „ungefähr“, denn in der Stelle, wo er den Gebrauchswert definiert, 
scheint Smith seine Definition dem landläufigen Sinn anzupasseu (in dem „nützlich“ 
als Gegensatz zu „angenehm“ erscheint). Bucabdo hat diese Ungenauigkeit, die Minn 
mit Hecht hervorgehoben hatte, richtig gestellt. Sie erklärt sich vielleicht aus der 
folgenden Stelle der „Vorlesungen über die Gerechtigkeit“ (Lectures on Justiee) 
8. 176: „Für eine wenig nützliche Sache gibt es nur wenig Nachfrage, weil siekein 
rationeller Gegenstand des Begehrens ist.“ Smith scheint nicht für möglich gehalten 
zu haben — was selbstverständlich ein schwerer Fehler ist, — daß eine vernunft 
gemäß unnütze Sache doch gewünscht oder begehrt werden könne. 
3 ) Diese radikale Trennung der beiden Begriffe liegt vielleicht mehr an der 
Ausdrucksweise Adam Smith’s als in seinen Gedanken, denn in seinen Vorlesungen 
über Gerechtigkeit, S. 176 wird der Gebrauchswert (zusammen mit dem Eeichtum 
der Nachfrager) als eins der Elemente hingestellt, die die Nachfrage bestimmen und
	        
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