Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II.  Adam  Smith.

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forderliche  Mühe  und  Beschwerde  ...  die  Arbeit  ist  also  der  wahre
Maßstab  des  Tauschwertes  aller  Waren 1 ).“  So  ist‘die  Arbeit,  d.  h.
die  Mühe,  die  auf  die  Herstellung  eines  Gegenstandes  verwendet
wird,  gleichzeitig  der  Ursprung  und  der  Maßstab  ihres  Tauschwertes.  ^
Hier  haben  wir  vom  „Vater  der  Nationalökonomie“  formuliert,  ‘  die
Theorie,  die  in  der  Arbeit,  in  der  menschlichen  Anstrengung,  die
Ursache  des  Wertes  sieht  (als  ob  man  von  einer  „Ursache  des
Wertes“  sprechen  könnte!),  und  die  Kabl  Marx  seine  schärfsten
Argumente  gegen  den  Kapitalismus  liefert.  '
Kaum  hat  er  aber  diesen  ersten  Versuch  gemacht,  für  den  Tauschwert ­
  eine  festere  Basis  als  den  schwankenden  Boden  des  Angebotes
und  der  Nachfrage  zu  finden,  als  er  sogleich  Schwierigkeiten  auftauchen ­
  sieht.  Zunächst,  *  wie  soll  die  auf  einen  Gegenstand  verwendete ­
  Arbeit  und  der  Wert,  der  davon  abhängt,  gemessen  werden  ?*■
„Es  kann  in  der  schweren  Anstrengung  einer  Stunde  mehr  Arbeit
stecken  als  in  der  leichten  Beschäftigung  zweier  Stunden  und  in  der
einstündigen  Ausübung  einer  Kunst,  zu  deren  Erlernung  man  30  Jahre
brauchte,  mehr  als  in  dem  Fleiß  eines  ganzen  Monats  bei  einer  gewöhnlichen ­
  und  leicht  erlernbaren  Arbeit.  Allein  es  ist  nicht  leicht,
einen  genauen  Maßstab  für  die  Mühsal  oder  die  Geisteskraft  zu
finden“  2 ).  Außerdem,  und  hierin  liegt  ein  zweiter  Einwurf,  in  den
zivilisierten  Gesellschaften  genügt  die  Arbeit  allein  nicht  zur  Herstellung ­
  der  Gegenstände;  der  Grund  und  Boden  und  das  Kapital
wirken  ebenfalls  mit;-  ihr  Gebrauch  ist  aber  nicht  unentgeltlich;  dem,
der  sie  benützt,  kosten  sie  etwas.  Die  primitiven  Gesellschaften  sind
daher  in  Wirklichkeit  die  einzigen,  sagt  Smith,  wo  gewöhnlich  „die
zur  Beschaffung  oder  Hervorbringung  einer  Ware  aufgewendete  Quantität ­
  von  Arbeit  das  einzige  ist“  8 ),  das  ihren  Wert  bestimmt.  Heutigen
Tages  müssen  aber  noch  das  Kapital  und  der  Grund  und  Boden  in
Betracht  gezogen  werden.  Die  Arbeit  kann  weder  die  einzige  Quelle,
noch  der  einzige  Maßstab  des  Wertes  sein.
So  sucht  denn  Smith  eine  neue  Hypothese,  und  sieht  in  den
‘)  Yölkerreichtum  I,  S.  17,  B.  I,  Kap.  Y.  In  Wirklichkeit  drückt  sich
Smith  hier  so  ans,  als  ob  nach  seiner  Ansicht  der  Wert  eines  Gegenstandes  nicht
von  der  Arbeit,  die  seine  Herstellung  gekostet  hat,  sondern  von  der,  die  damit  zu
kaufen  ist,  bestimmt  wird.  Im  Grunde  genommen  laufen  aber  beide  Gedanken  auf
dasselbe  hinaus,  da  die  Gegenstände  sich  als  gleicher  Wert  gegen  gleichen  Wert
tauschen.  Die  Arbeit,  die  man  mit  einem  Gegenstand  kaufen  kann,  ist  genau  gleich
der  Arbeit,  die  dieser  Gegenstand  gekostet  hat.  Smith  sagt:  „Sie  (die  Dinge)  enthalten ­
  den  Wert  einer  bestimmten  Quantität  Arbeit,  welche  man  gegen  etwas  vertauscht, ­
  wovon  man  zurzeit  glaubt,  daß  es  den  Wert  einer  gleichen  Quantität  enthalte.“ ­
  (Ebenda.)
*)  Völkerreichtum  I,  S.  17,  B.  I,  Kap.  V.
3 )  Völkerreichtum  I,  S.  27,  B.  I,  Kap.  VI.
            
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