375
Hochbahnen. Hänge- und Schwebebahnen.
geplant war. Die Gitterträger tragen oben die Fahrschiene und geben in ihrer unteren
Gurtung die Führung für die seitlichen Rollen ab.
Später haben Decauville, Meigs, Behr, Beyer, Enos, Cook, Dietrich u. a. Ent
würfe aufgestellt, wonach die Wagen ans einer bis zwei Fahrschienen laufen und durch
eine bis vier Stützschienen gegen Seitenschwanknngeu gesichert werden. Beyer stützt die
Wagen oberhalb ihres Daches ab, die meisten anderen jedoch unten. Abb. 384 zeigt die
aus dem Jahre 1889 stammende Anordnung von Enos, wie sie für eine 43 km lange
Hochbahn zwischen den nordamerikanischen Städten St. Paul und Minneapolis zur Aus
führung gelangt ist. Für eine zweigleisige Bahn ist nur eine Stützenreihe erforderlich,
die mittels seitlicher Konsolen die beiden aus Gitterwerk gefertigten Längsträger mit
ihrer Fahrschiene hält. Der Gerüstbau nimmt den Straßen nur wenig Licht und Luft.
Jeder Wagen wird gegen den Untergurt seines Längsträgers durch vier schräggestellte
Rollen abgestützt. Der Antrieb jedes Wagens erfolgt durch Elektromotoren.
Je mehr Fahr- und Stützschienen Verwendung finden, desto schwieriger wird
übrigens die genaue Herstellung und desto mehr leidet bei unterlaufenen Fehlern in der
gegenseitigen Schienen- und Rollenlage die ruhige Gangart. Am weitesten mit der
Schienenzahl ist Behr gegangen. Seine auf der Brüsseler Ausstellung 1897 vorgeführte
Versuchsbahn zeigte fünf Schienen, wovon vier zur seitlichen Stützung dienten, während der
Wagen 40 Räder besaß (8 Treibräder mit doppeltem Spurkranz und 32 Führnngsräder).
Diese Anordnung wird schwerlich Nachahmung finden?)
Daß man mit weit einfacheren Mitteln den Zweck »och besser erreichen kann, zeigt
kie Langensche Schwebebahn. Hier sind nach Abb. 385 die Wagen frei schwebend
an einer Fahrschiene aufgehängt und entbehren jegliche Seitenunterstützung. Es ist
dieses eine Anordnung, wie sie seit langem bei den bekannten Luftseilbahnen für
Jndnstriezwecke üblich ist. E. Langen, der bekannte, 1895 verstorbene Kölner Groß
industrielle, hatte aus seiner ersten. 1893 erbauten Probestrecke in Dentz noch 2 Fahr
schienen angewandt. Sehr bald ging er jedoch zu der einschienigen Bauweise über, wie
^ *) Sie wurde allerdings 1899 als „Schnellbahn" für die 48 km lange Strecke Liverpool-
Manchester (vgl. S. 77) in Vorschlag gebracht. Nach dem dem englischen Parlament zur Ge-
uehmigung vorgelegten Entwurf soll zwecks Vermeidung der bei einer Fünfschienenbahn sich sehr
verwickelt gestaltenden Ausweichestellen stets nur ein Zug (1 Wagen mit 100 Sitzplätzen) unter
wegs sein, dessen Fahrgeschwindigkeit aus 90 engl. Meilen = 144 krn/Std. festgesetzt ist. Man
würde sonach in 20 Minuten von der einen zu der anderen Stadt gelangen können-