Kapitel II. Adam Smith.
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liier einen Sozialisten zu lesen; zum Schluß jedoch scheint die Theorie
der Produktionskosten die Überhand gewonnen zu haben. * Er nennt
dann den Preis der Gegenstände, der mit den Produktionskosten
übereinstimmt, den natürlichen Preis. Was den Marktpreis
anlangt, so bemerkt er, daß er bald höher, bald niedriger als dieser
natürliche Preis ist, je nachdem die angebotene Menge mit Bezug
auf die nachgefragte steigt oder fällt und umgekehrt.
Das ist die'Preistheorie von Smith/ Die wahre Beobachtung,
die sie enthält, — nämlich, daß die Preise vieler Waren mit den
Produktionskosten derselben übereinzustimmen streben (eine Beobach
tung, die übrigens nicht von ihm stammt) — darf uns ihre Fehler
nicht übersehen lassen. Unter anderen unterliegt sie'zwei einschnei
denden Einwänden.'
‘ Ist es zunächst nicht ein offenbarer Widerspruch, den Preis der
Güter durch den Preis der Dienste (Lohn, Zins und Pacht) zu er
klären, die zusammen die Produktionskosten ausmachen, um dann
zu haben sein sollte, bestimmt wird; denn es ist klar, daß noch eine besondere
Quantität als Gewinn für das ausgegebene Kapital hinzukommen muß, das zur Be
zahlung des Arbeitslohnes und zur Beschaffung der Materialien.“ — Am Anfang der
angezogenen Stelle muß der Arbeiter den Arbeitsertrag teilen; der Profit wird
daher von dem durch die Arbeit geschaffenen Wert genommen. Am Ende des Satzes
beruht der Profit aber auf einem Zusatzwert, der über den von der Arbeit ge
schaffenen hinausgeht. Böhm-Bawehk zitiert noch andere Stellen, in denen die beiden
Begriffe sich unvereinbar gegenüberstehen. Hin und wieder kann man Smith daher
die Auffassung zuschieben, das er unter Zins und Bodenrente das Ergebnis einer
Beraubung des Arbeiters sehe; damit wäre er der wirkliche Vorfahr des Sozialis
mus. Mehr als eine Stelle seines Buches kann übrigens zu diesem Schluß führen.
So sagt er: „In anderen Ländern (als in den Kolonien) zehren die Rente und der
Kapitalgewinn den Arbeitslohn auf, und die beiden höheren Stände des Volkes unter
drücken den niederen“ (II, S. 86, B. IV, Kap. VII, Teil 2). Und hinsichtlich des
Eigentums: „Die bürgerliche Regierung ist, insofern sie zur Sicherung des Eigentums
eingeführt ward, in der Tat zur Verteidigung des Reichen gegen den Armen, oder
dessen, der ein Eigentum hat, gegen den, der keins hat, eingeführt worden“ (II,
S, 175, B. V, Kap. I, Teil 2).
Bekannt ist auch die oft erwähnte Stelle des VI. Kap. „Sobald aller Grund
und Boden eines Landes Privateigentum geworden ist, begehren die Grundbesitzer,
gleich allen anderen Menschen, „zu ernten, wo sie nicht gesät haben“, und verlangen
sogar für ihre natürlichen Produkte eine Rente“ . . . „Er (der Arbeiter) muß nun
für die Erlaubnis, sie zu sammeln, bezahlen und an den Grundbesitzer einen Teil
desjenigen abgeben, was seine Arbeit zusammenbringt oder erzeugt. Dieser Teil,
oder — was auf dasselbe hinauskommt — der Preis dieses Teiles, bildet die Grund
rente und macht in dem Preise der meisten Waren einen dritten Bestandteil aus“
(Bd. I, S. 28, B. I, Kap. VI). Cannan (History of the theories of production
etc. S. 202) glaubt sogar, daß die Beraubungstheorie die einzige ist, die sich bei
Smith findet. Der von den Sozialisten, besonders bei Pkoudhon so oft ausgedrückte
Gedanke, daß es in der gegenwärtigen Gesellschaft dem Arbeiter unmöglich gemacht
ist, sich in den Besitz des Ertrages seiner Arbeit zu setzen, würde daher auf Smith
zurückgehen.