Kapitel II. Adam Smith.
99
gibt ^g. dclion heute eine natürliche Verfassung, die jene beherrscht.
D ; "atürliche Verfassung ist für die Physiokraten noch ein zu-
kf s Ideal; Smith jedoch entdeckt ihren Mechanismus und be-
schfes ihr Räderwerk/ Die Nationalökonomie, die bei Qüesnay noch in
d / . uptsache ein Rechtssystem war, nimmt bei ihm den Charakter
Naturwissenschaft an, die sich auf die Beobachtung und die
i e der Wirklichkeit gründetX— In einem berühmten Satze
fü] Smith selbst mit seiner gewöhnlichen Einfachheit aus, wie sehr
r i Auffassung der der Physiokraten überlegen ist: „Gewisse
1 Visierende Ärzte scheinen sich eingebildet zu haben, daß die
, undheit des menschlichen Körpers nur durch eine genau bestimmte
Djat und Bewegung erhalten werden könne, und daß jede, auch die
kleinste Abweichung davon notwendig einen Grad von Krankheit
< der Unpäßlichkeit verursachen müsse, der dem Grade der Abweichung
d igemessen sei ... . Quesnay, der selbst Arzt, und zwar ein theo-
vVfcisch sehr interessierter Arzt war, scheint von dem Staatskörper
einen ähnlichen Begriff gehabt und sich eingebildet zu haben, daß
derselbe nur bei einer gewissen, genau bestimmten Diät, bei der
strengen Diät vollkommener Freiheit und vollkommener Gerechtigkeit,
blühen und gedeihen könne. Es scheint, daß er nicht in Erwägung
zog, wie in dem Staatskörper das natürliche Bestreben jedes Menschen,
seine Lage zu verbessern, ein Prinzip der Selbsterhaltung ist, wodurch
die schlimmen Folgen einer parteiischen und drückenden Staats
wirtschaft mannigfach abgewendet und erleichtert werden können.
Eine solche politische Ökonomie hält zwar den natürlichen Fortschritt
einer Nation zu Reichtum und Wohlstand mehr oder weniger auf, aber
sie ist doch nicht immer imstande, ihn gänzlich zu hemmen oder wohl
gar rückgängig zu machen. Wenn eine Nation ohne den Genuß voll
kommener Freiheit und vollkommener Gerechtigkeit nicht gedeihen
könnte, so gäbe es in der ganzen Welt keine Nation, die es hätte
zum Wohlstand bringen können. Die Weisheit der Natur hat aber
in den Staatskörper glücklicherweise reichliche Mittel gelegt, so
manche schlimme Folgen menschlicher Torheit und Ungerechtigkeit
zu heilen, gerade wie sie auch dem menschlichen Körper die Mittel
verliehen hat, die üblen Folgen der Trägheit und Unmäßigkeit ab
zuwenden *)•“ y
Diese Ausführungen bringen uns dazu, jetzt den 'Zweiten Grund
gedanken Smith’s^u besprechen:’die Vortrefflichkeit der spontan ent
standenen wirtschaftlichen Einrichtung. Die Idee von der Selbstent
stehung und die von der Vortrefflichkeit der wirtschaftlichen Ein
richtungen muß, wie wir gesagt haben, der Geschichtsschreiber der
l ) Völkerreichtum II. S. 151—152, B, IV, Kap. IX.
7*