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Erstes Buch. Die Begründer.
Doktrinen von einander unterscheiden. Bei Smith gehen sie ineinander
über. Sein Naturalismus ist eins mit seinem Optimismus, und in dem
selben Satze spricht er ohne Einschränkung von beiden zugleich. Die
Stelle, die wir eben angeführt haben, beweist dies. Der persönliche
Nutzen, der jeden wirtschaftlichen Organismus schafft und erhält,
sichert gleichzeitig „den Fortschritt einer Nation im Reichtum und
Wohlstand“. So sind die Einrichtungen, die er hervorruft, nicht nur
natürlich, sondern auch heilsam. Sie interessieren Smith nicht nur
als Gegenstand seiner wissenschaftlichen Beobachtung, sondern auch
als Mittel des öffentlichen Wohlstandes, und hierauf konzentriert sich
sogar sein Hauptinteresse, denn die Nationalökonomie ist ihm mehr
eine Kunst der Praxis als eine Wissenschaft 1 ).
Dies genügt jedoch noch nicht. Die natürlichen wirtschaftlichen
Einrichtungen sind mehr als nur gut: für Smith sind sie von der
göttlichen Vorsehung gegeben, die in das Herz des Menschen
jenen Wunsch, seine Lage zu verbessern, gepflanzt hat, aus dem die
natürliche Gesellschaftsordnung entstanden ist, so daß der Mensch,
der diesem Wunsche nachgibt, in Wirklichkeit nur die wohlwollenden
Absichten Gottes erfüllt. In der Verfolgung seines Nutzens „wird
er in diesen wie in vielen anderen Fällen“ (sagt er, indem er von
der Verwendung von Kapitalien spricht) „von einer unsichtbaren
Hand geleitet, daß er einen Zweck befördern muß, den er sich in
keiner Weise vorgesetzt hatte 2 )“. Die Physiokraten drückten sich
kaum anders aus.
Der Optimismus Smith’s wird heute kaum noch geteilt. In der
Geschichte der Ideen aber hat er eine zu große Rolle gespielt, als
daß wir uns nicht einen Augenblick mit ihm beschäftigen müßten.
Untersuchen wir die Gründe, auf die er ihn stützt, und ihre wirk
liche Tragweite!
Es ist zunächst zu bemerken, daß jedes der bisher gegebenen
Beispiele von der Selbstentstehung der wirtschaftlichen Einrichtungen
zu gleicher Zeit einen Bewmis für die wohltätigen Wirkungen des Selbst
interesses liefert. Mit einer Gleichmäßigkeit, die nichts Zufälliges
hat, sind alle von Smith der allgemeinen Wirksamkeit dieses Beweg
grundes zugeschriebenen Einrichtungen für den wirtschaftlichen Fort
schritt vorteilhaft. Die Arbeitsteilung, die Erfindung des Geldes, die
Kapitalansammlung sind ebensoviele natürliche, gesellschaftliche Tat-
b „Der große Zweck der politischen Ökonomie jedes Landes ist aber,
den Reichtum und die Macht dieses Landes zu vermehren“ (I, S. 219, B. II, Kap. Y).
Dieser Ausdruck: „politische Ökonomie jedes Landes“, den Smith oft anwendet, läßt
sich gegen die anwenden, die, wie Knies, den Universalismus oder den Internationalis
mus Smiih’s angreifen.
*) Völkerreichtum II, S. 17, B. IV. Kap. II.